{"id":402,"date":"1997-08-01T12:02:00","date_gmt":"1997-08-01T10:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1997\/praevention-der-herzinsuffizienz-durch-antihypertensive-therapie-bei-aelteren-menschen-mit-systolischer-hypertonie"},"modified":"1997-08-01T12:02:00","modified_gmt":"1997-08-01T10:02:00","slug":"praevention-der-herzinsuffizienz-durch-antihypertensive-therapie-bei-aelteren-menschen-mit-systolischer-hypertonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/praevention-der-herzinsuffizienz-durch-antihypertensive-therapie-bei-aelteren-menschen-mit-systolischer-hypertonie\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4vention der Herzinsuffizienz durch antihypertensive Therapie bei \u00e4lteren Menschen mit systolischer Hypertonie"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4ufig geht einer Herzinsuffizienz eine arterielle Hypertonie, oft eine nur systolische Hypertonie, voraus. Hypertonie ist ein bekannter Risikofaktor f\u00fcr die Entwicklung einer Herzinsuffizienz, sei es direkt durch Erh\u00f6hung der Nachlast, sei es indirekt als Risikofaktor f\u00fcr Myokardinfarkt. Inwieweit durch eine fr\u00fche antihypertensive Behandlung auch bei rein systolischer Hypertonie die Entwicklung einer Herzinsuffizienz verhindert bzw. verz\u00f6gert werden kann &#8211; wie es f\u00fcr die Hypertonie generell nachgewiesen wurde &#8211; ist bisher nicht bekannt.<\/p>\n<p>Wichtige Antworten zu dieser Frage wurden jetzt durch die Ver\u00f6ffentlichung neuer Daten aus der SHEP-Studie (<B>S<\/B>ystolic <B>H<\/B>ypertension in the <B>E<\/B>lderly <B>P<\/B>rogram) gegeben (Kostis, J.B., et al.: JAMA <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9218667&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>278<\/B>, 212<\/a>). Diese Studie hatten wir 1994 im Hinblick auf die Verhinderung von Schlaganf\u00e4llen (-36%) und kardiovaskul\u00e4ren Erkrankungen (-32%) genauer besprochen (AMB 1994, <B>28<\/B>, 81).<\/p>\n<p>An dieser randomisierten, doppeltblinden Studie nahmen 4736 Patienten \u00fcber 59 Jahre mit systolischer Hypertonie teil. Diese war definiert durch systolische Blutdruckwerte von 160 bis 219 mmHg bei diastolischen Werten unter 90 mmHg. 2371 Patienten wurden mit Plazebo, 2365 stufenweise antihypertensiv zun\u00e4chst mit 12,5 mg\/d Chlortalidon (Hydrolong-Tablinen, Hygroton) behandelt. Ziel der Behandlung war eine Senkung des Hochdrucks um mindestens 21 mmHg bzw. auf 159 mmHg oder niedriger. Konnte dieses Ziel nicht erreicht werden, wurde Chlortalidon auf 25 mg\/d erh\u00f6ht und &#8211; falls auch danach der Blutdruck nicht ausreichend gesenkt war &#8211; Atenolol (Tenormin u.v.a.) hinzugegeben, und zwar zun\u00e4chst 25 mg\/d, danach 50 mg\/d. Es gab viele Ausschlu\u00dfkriterien zur Beurteilung der Wirksamkeit dieser Therapie auf den sekund\u00e4ren Endpunkt Herzinsuffizienz: kurz zur\u00fcckliegender Myokardinfarkt, koronarer Bypass, insulinpflichtiger Diabetes mellitus, Alkoholabusus, Demenz, Restparesen nach Schlaganfall, Vorhofflimmern oder -flattern, AV-Blockierungen, multiforme ventrikul\u00e4re Extrasystolen, Bradykardie unter 50\/ Min. oder eine bereits Diuretika-pflichtige Erkrankung. Herzinsuffizienz selbst war kein Ausschlu\u00dfkriterium, wenn sie gut behandelt war. Die Diagnose Herzinsuffizienz wurde von drei \u00c4rzten (darunter ein Kardiologe) anhand folgender Kriterien gestellt: Ruhedyspnoe, Orthopnoe, paroxysmale n\u00e4chtliche Dyspnoe oder NYHA-lII-Klassifikation. Zus\u00e4tzlich wurden Rasselger\u00e4usche, Unterschenkel\u00f6deme, Tachykardie > 120\/Min., Kardiomegalie und andere Symptome mitbewertet.<\/p>\n<p>Die Auswertung dieser Studie ist detailliert dargestellt, aber recht kompliziert, da wegen der langen Beobachtungszeit ein betr\u00e4chtlicher Anteil der Patienten mehr als nur die Studienmedikation erhalten mu\u00dfte (ca. 10% in der Verum-Gruppe im 5. Jahr; in der Plazebo-Gruppe nach einem Jahr, drei Jahren bzw. im 5. Jahr: 13,1 %, 32,7% bzw. 44,4%).<\/p>\n<p><B>Ergebnisse:<\/B> Der Ausgangsblutdruck betrug in beiden Gruppen im Mittel 170\/77 mmHg und im 5. Jahr in der Verum-Gruppe 143\/68 mmHg bzw. 155\/72 mmHg in der Plazebo-Gruppe. Wie Tab. 1 zeigt, war nach 4,5 Jahren mittlerer Laufzeit der Studie Herzinsuffizienz bzw. Herzinsuffizienz mit t\u00f6dlichem Ausgang in der Verum-Gruppe deutlich und signifikant seltener (4,4% vs. 2,3%). Auch mu\u00dften weniger Patienten wegen dieser Diagnose im Krankenhaus behandelt werden. Bei der Analyse von Subgruppen zeigte sich, da\u00df M\u00e4nner eine schlechtere Prognose im Hinblick auf die Entwicklung einer Herzinsuffizienz hatten als Frauen (3,32% vs. 2,08%). Das gleiche traf zu bei Patienten im h\u00f6heren Alter, mit h\u00f6herem Ausgangsblutdruck oder vorbestehendem Myokardinfarkt. Auch hier verhinderte die antihypertensive Behandlung eine klinisch fa\u00dfbare Herzinsuffizienz, besonders bei vorbestehendem Myokardinfarkt. Bemerkenswerterweise war die Zugabe von Atenolol bei den Patienten, deren Hochdruck mit Chlortalidon nicht ausreichend eingestellt werden konnte, nicht additiv wirksam im Hinblick auf den Endpunkt Herzinsuffizienz. Die Daten dieser Studie sind \u00fcberzeugend, untersch\u00e4tzen aber wahrscheinlich sogar noch die Wirksamkeit der antihypertensiven Therapie, weil so viele Patienten aus der Plazebo-Gruppe aktiv behandelt werden mu\u00dften. Kritik ist angebracht, weil die linksventrikul\u00e4re Funktion (z.B. durch Echokardiographie) weder zu Beginn noch im Verlauf objektiviert wurde.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Die stufenweise Senkung des Blutdrucks mit Chlortalidon (plus Atenolol) bei isolierter systolischer Hypertonie kann bei \u00fcber 59j\u00e4hrigen Patienten, vor allem nach l\u00e4nger zur\u00fcckliegendem Myokardinfarkt, die lnzidenz der Herzinsuffizienz deutlich senken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/1997\/08\/Abbildung-1997-61-1.gif\" alt=\"Abbildung 1997-61-1.gif\" class=\"table-figure\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4ufig geht einer Herzinsuffizienz eine arterielle Hypertonie, oft eine nur systolische Hypertonie, voraus. 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