{"id":40204,"date":"1999-12-01T12:05:00","date_gmt":"1999-12-01T11:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/buchbesprechung-handbuch-der-unerwuenschten-arzneimittelwirkungen"},"modified":"1999-12-01T12:05:00","modified_gmt":"1999-12-01T11:05:00","slug":"buchbesprechung-handbuch-der-unerwuenschten-arzneimittelwirkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/buchbesprechung-handbuch-der-unerwuenschten-arzneimittelwirkungen\/","title":{"rendered":"Buchbesprechung: Handbuch der unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkungen"},"content":{"rendered":"<p>Bei etwa 5% der Anwendungen von Arzneimitteln ist mit unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkungen (UAW) zu rechnen, und etwa 5-10% der Krankenhauseinweisungen werden durch UAW verursacht (1; vgl. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5833\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1997, <b>31<\/b>, 39b<\/a>). Die direkten Kosten UAW-bedingter Krankenhausaufnahmen werden in den USA auf etwa 4 Mrd. $ und in Deutschland auf weit \u00fcber eine Mrd. DM j\u00e4hrlich gesch\u00e4tzt (2-4). Etwa die H\u00e4lfte der UAW sind prinzipiell vermeidbar und beruhen h\u00e4ufig auf fehlerhafter Dosierung (1).<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund dieser Zahlen sind Bem\u00fchungen besonders wichtig, \u00e4rztliche Information und Weiterbildung nicht nur hinsichtlich der Wirksamkeit neuer Substanzen, sondern auch hinsichtlich ihres Risikoprofils zu verbessern. Genau dieses Ziel verfolgt das k\u00fcrzlich erschienene <i>Handbuch der unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkungen <\/i>(1), in dem 57 Autoren &#8211; viele von ihnen Mitglieder oder Mitarbeiter der Arzneimittelkommission der deutschen \u00c4rzteschaft (Akd\u00c4) &#8211; UAW in kritischer und komprimierter Form darstellen. Die UAW sind in 21 Arzneimittelgruppen (von Analgetika bis Zytostatika) zusammengefa\u00dft. Das Handbuch setzt die Tradition des von Ellen Weber zuletzt 1988 \u00fcberarbeiteten <i>Taschenbuchs der unerw\u00fcnschten Arzneiwirkungen <\/i>fort. Im Teil A des Buches werden die Wirkstoffe entsprechend der <b>A<\/b>natomisch-<b>T<\/b>herapeutisch-<b>C<\/b>hemischen Klassifizierung (ATC-System) der WHO eingeteilt (vgl. AMB 1994, <b>28<\/b>, 23) und die UAW den Organ-System-Klassen der WHO (d.h. generalisierte St\u00f6rungen, Bewegungsapparat, Blut, Haut, Herz-Kreislauf, metabolische und endokrine St\u00f6rungen, Nervensystem, neurologische bzw. psychische St\u00f6rungen, Niere und Harnwege, reproduktives System, Respirationstrakt, sensorisches System, Verdauungssystem) zugeordnet. Quantitative Angaben werden, sofern m\u00f6glich, zu h\u00e4ufigen (> 1%) und seltenen (< 1%) UAW gemacht und besonders gef\u00e4hrliche UAW sowie sinnvolle Vorbeugungs-\/Kontrollma\u00dfnahmen durch spezielle Symbole graphisch hervorgehoben. UAW-Profile zu individuellen Arzneimitteln (z.B. Salizyls\u00e4ure, Amiodaron, Ticlopidin) bzw. Arzneimittelgruppen (z.B. Fluorchinolone, nichtsteroidale Antiphlogistika, Heparine, Thrombolytika, Psychopharmaka) aus der gemeinsamen Datenbasis Phoenix der Akd\u00c4 und des Bundesinstituts f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erscheinen erstmals in einem Buch und erlauben einen raschen \u00dcberblick \u00fcber UAW sowie deren prozentualer Verteilung nach Organsystem-Klassen. Der detaillierten Beschreibung der speziellen UAW ist bei den meisten Arzneimitteln bzw. Arzneimittelgruppen ein allgemeiner Abschnitt vorangestellt, in dem u.a. auf Wirkungsmechanismus, Indikationen, wesentliche dosislimitierende UAW und die UAW beeinflussende Faktoren (z.B. Dosis, Pharmakokinetik, Therapiedauer) hingewiesen wird. Weiterhin finden sich am Ende jeden Kapitels Angaben zu klinisch relevanten Interaktionen, z.T. in tabellarischer Form, zur Beeinflussung der Fahrtauglichkeit und Literaturhinweise (vorwiegend \u00dcbersichtsartikel). Kleine M\u00e4ngel (z.B. allgemeiner Teil zu den verschiedenen Arzneimitteln bzw. Arzneimittelgruppen nicht einheitlich strukturiert und in der Qualit\u00e4t sehr unterschiedlich, einige wichtige Substanzen wie z.B. Tamoxifen nicht besprochen) werden sicherlich bei der n\u00e4chsten Auflage des Handbuchs behoben.<\/p>\n<p>Der Teil B des Handbuchs besch\u00e4ftigt sich u.a. mit pharmakologischen Grundlagen von UAW und pharmakoepidemiologischen Methoden bei der Erfassung von UAW, allergischen und pseudoallergischen Reaktionen als Ursachen von UAW sowie UAW von Phytopharmaka, Impfstoffen, Sera und Immunglobulinen. Insbesondere die sehr informativen Kapitel zur Abwehr von Arzneimittelrisiken und zur Aufkl\u00e4rung und Haftung sind angesichts des sehr zur\u00fcckhaltenden Meldeverhaltens von UAW durch die \u00c4rzte in Deutschland (4) und der h\u00e4ufig unzureichenden Aufkl\u00e4rung des Patienten \u00fcber die Gefahren einer medikament\u00f6sen Therapie (vgl. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5843\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1997, <b>31<\/b>, 49<\/a>) jedem in Praxis und Klinik t\u00e4tigen Arzt zur Lekt\u00fcre empfohlen. Am Ende des Handbuchs findet sich ein umfangreicher Index, der im Teil A die Suche sowohl nach Wirkstoffen als auch nach Fertigarzneimitteln erlaubt.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Das sehr gut strukturierte Handbuch der unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkungen erm\u00f6glicht dem klinisch t\u00e4tigen Arzt einen schnellen Zugriff auf Informationen \u00fcber UAW. Es erf\u00fcllt somit das von den Herausgebern im Vorwort formulierte wesentliche Ziel, \u201ddas vorhandene Wissen \u00fcber Art und H\u00e4ufigkeit von Arzneimittelrisiken auch in einer kritisch bewerteten, komprimierten Form verf\u00fcgbar zu machen&#8220; und dadurch \u201deine kritische Absch\u00e4tzung des Nutzen-Risiko-Quotienten der jeweiligen medikament\u00f6sen Strategie f\u00fcr den individuellen Patienten&#8220; zu erm\u00f6glichen. Eine bisher leider nicht geplante CD-ROM-Version mit entsprechenden Suchfunktionen w\u00e4re f\u00fcr die Verwendung des Handbuchs im klinischen Alltag sehr hilfreich.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>M\u00fcller-Oerlinghausen, B., Lasek, R., D\u00fcppenbecker, H., Munter, K.-H.: Handbuch der unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkungen. Urban &#038; Fischer, M\u00fcnchen 1999 (753 Seiten; 198 DM).<\/li>\n<li>Lazarou, J., et al.: JAMA <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9555760&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <b>279<\/b>, 1200<\/a>.<\/li>\n<li>Th\u00fcrmann, P.A., und Schmitt, K.: Med. Klinik <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9872049&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <b>93<\/b>, 687<\/a>.<\/li>\n<li>G\u00f6ttler, M., et al.: Dt. \u00c4rztebl. 1999, <b>96<\/b>, B-1353.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei etwa 5% der Anwendungen von Arzneimitteln ist mit unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkungen (UAW) zu rechnen, und etwa 5-10% der Krankenhauseinweisungen werden durch UAW verursacht (1; vgl. AMB 1997, 31, 39b). 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