{"id":40217,"date":"2000-04-01T12:04:00","date_gmt":"2000-04-01T10:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2000\/intensivierte-versus-konventionelle-insulintherapie-bei-diabetes-mellitus-in-der-schwangerschaft"},"modified":"2000-04-01T12:04:00","modified_gmt":"2000-04-01T10:04:00","slug":"intensivierte-versus-konventionelle-insulintherapie-bei-diabetes-mellitus-in-der-schwangerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/intensivierte-versus-konventionelle-insulintherapie-bei-diabetes-mellitus-in-der-schwangerschaft\/","title":{"rendered":"Intensivierte versus konventionelle Insulintherapie bei Diabetes mellitus in der Schwangerschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Morbidit\u00e4t von Feten und Neugeborenen von Frauen mit schlecht eingestelltem Diabetes ist, verglichen mit Nichtdiabetikerinnen, deutlich erh\u00f6ht. Hauptkomplikationen sind Makrosomie, vermehrte perinatale Sterblichkeit, Hypoglyk\u00e4mien nach der Geburt, respiratorisches Distress-Syndrom, Polyglobulie, Hypokalzi\u00e4mie und Hyperbilirubin\u00e4mie. Eine m\u00f6glichst normoglyk\u00e4mische Blutzuckereinstellung w\u00e4hrend der Schwangerschaft wird deshalb schon seit langem gefordert. Diese l\u00e4\u00dft sich offensichtlich mit Hilfe der intensivierten Insulintherapie (zu den Mahlzeiten Normalinsulin und 1 mal oder 2 mal\/d Verz\u00f6gerungsinsulin) besser erzielen als mit der sog. konventionellen Insulintherapie (2 mal\/d Mischinsulin). In Deutschland wird die konventionelle Insulintherapie w\u00e4hrend der Schwangerschaft, auch wenn eine Patientin bereits vor der Schwangerschaft so behandelt wurde, nicht mehr empfohlen. Z. Nachum et al. aus Israel (Brit. Med. J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10550081&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <B>319<\/B>, 1223<\/a>) verglichen die konventionelle Insulintherapie mit der intensivierten Insulintherapie bei insgesamt 274 Frauen mit Gestationsdiabetes und bei insgesamt 118 Frauen mit pr\u00e4existierendem Diabetes mellitus. Zielgr\u00f6\u00dfen waren die glyk\u00e4mische Kontrolle, der HbA<sub>1C<\/sub>-Wert zur Zeit der Entbindung und die perinatale und neonatale Morbidit\u00e4t des Kindes. Jeweils etwa die H\u00e4lfte der Patientinnen jeder Gruppe wurde in folgende Behandlungsregime randomisiert:<br \/>1. Intensivierte Therapie: 3 mal zu den Mahlzeiten Normalinsulin (Actrapid) und zur Nacht humanes Verz\u00f6gerungsinsulin (Insulatard)<br \/>2. Konventionelle Therapie: 2 mal am Tag eine Mischung aus Actrapid und Insulatard in der gleichen Spritze. Die Morgendosis betrug zwei Drittel, die Abenddosis ein Drittel der Gesamt-Tagesdosis von Insulin. Die Morgenspritze enthielt 33% Normalinsulin, die Abendspritze 50%.<\/p>\n<p>Bei beiden Insulinregimen wurde nach entsprechender Schulung die Insulindosis den vor den Injektionen gemessenen Blutzuckerwerten angepa\u00dft. Der Insulinverbrauch war in beiden Patientinnengruppen (Gestationsdiabetes bzw. pr\u00e4existierender Diabetes) mit dem intensivierten Behandlungsschema um 22 bzw. 28 E\/Tag h\u00f6her als bei konventioneller Insulintherapie. Die mittleren Blutzucker- und die HbA<sub>1C<\/sub>-Werte waren im Durchschnitt bei intensivierter Therapie niedriger als bei konventioneller Therapie, ohne da\u00df gef\u00e4hrliche Hypoglyk\u00e4mien h\u00e4ufiger waren. Die H\u00e4ufigkeit von Kaiserschnitten, vorzeitigen Entbindungen, Makrosomie oder niedrigem Apgar-Index waren in beiden Behandlungsgruppen (intensiviert vs. konventionell) nicht signifikant unterschiedlich. Jedoch war die Morbidit\u00e4t der Neugeborenen von Frauen, die mit dem intensivierten Insulinschema behandelt wurden, niedriger. Insbesondere war die Zahl der Hypoglyk\u00e4mien bei intensivierter Therapie sehr gering: 0,7% vs. 5,9% bei Neonaten von Frauen mit Gestationsdiabetes und 3,4% vs. 20% bei Neonaten von Frauen mit pr\u00e4existierendem Diabetes. Bei Kindern von Frauen mit Gestationsdiabetes war unter intensivierter Insulintherapie die H\u00e4ufigkeit einer Hyperbilirubin\u00e4mie nur 11% vs. 21% bei konventioneller Therapie. Insgesamt war die neonatale Morbidit\u00e4t bei Gestationsdiabetes unter intensivierter Therapie mit 17% vs. 29% in der konventionellen Therapiegruppe signifikant geringer.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Die Studie best\u00e4tigt die derzeitige Empfehlung, den Blutzucker bei diabetischen Schwangeren m\u00f6glichst im euglyk\u00e4mischen Bereich zu halten. Sie zeigt weiterhin, da\u00df dies mit intensivierter Insulintherapie besser gelingt als mit konventioneller und sich im Hinblick auf die Morbidit\u00e4t des Neugeborenen auszahlt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Morbidit\u00e4t von Feten und Neugeborenen von Frauen mit schlecht eingestelltem Diabetes ist, verglichen mit Nichtdiabetikerinnen, deutlich erh\u00f6ht. Hauptkomplikationen sind Makrosomie, vermehrte perinatale Sterblichkeit, Hypoglyk\u00e4mien nach der Geburt, respiratorisches Distress-Syndrom, Polyglobulie, Hypokalzi\u00e4mie und Hyperbilirubin\u00e4mie. Eine m\u00f6glichst normoglyk\u00e4mische Blutzuckereinstellung w\u00e4hrend der Schwangerschaft wird deshalb schon seit langem gefordert. 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