{"id":40225,"date":"2000-02-01T12:03:00","date_gmt":"2000-02-01T11:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2000\/leserbriefe-briefe-zu-unseren-artikeln-ueber-paclitaxel-und-zur-hochdosis-chemotherapie-beim-mammakarzinom"},"modified":"2000-02-01T12:03:00","modified_gmt":"2000-02-01T11:03:00","slug":"leserbriefe-briefe-zu-unseren-artikeln-ueber-paclitaxel-und-zur-hochdosis-chemotherapie-beim-mammakarzinom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/leserbriefe-briefe-zu-unseren-artikeln-ueber-paclitaxel-und-zur-hochdosis-chemotherapie-beim-mammakarzinom\/","title":{"rendered":"Leserbriefe: Briefe zu unseren Artikeln \u00fcber Paclitaxel und zur Hochdosis-Chemotherapie beim Mammakarzinom"},"content":{"rendered":"<p>Zu unseren beiden Hauptartikeln (<a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6107\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1999, <B>33<\/B>, 81<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6108\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">82<\/a>), die sich kritisch mit dem Fehlen wesentlicher Elemente der Evidence-based medicine beim Einsatz von Paclitaxel und der Hochdosis-Chemotherapie beim Mammakarzinom auseinandersetzen, haben wir erwartungsgem\u00e4\u00df zahlreiche Zuschriften bekommen: zustimmende und ablehnende. Einige seien hier (gek\u00fcrzt) wiedergegeben.<\/p>\n<p>Prof. Dr. U.K. aus G\u00f6ttingen schreibt: >> &#8230; Die neueste Ausgabe mit insbesondere den ersten beiden wohltuenden und ach so n\u00f6tigen Artikeln zum Taxol und zur Hochdosistherapie beim Mammakarzinom, die vielleicht manchem, der damit angesprochen ist, nicht behagen m\u00f6gen, m\u00f6chte ich zum Anla\u00df nehmen &#8230; <<\n\nDr. V.M.H. aus T. schreibt: >> &#8230; Nachdem ich nun die Seiten 81-83 der Novemberausgabe 1999 gelesen habe, m\u00f6chte ich Ihnen unbedingt ein dickes Lob und Dankesch\u00f6n senden &#8230; Was der kleine Mediziner so ahnt, aber kaum belegen kann, steht hier geschrieben &#8230; Bitte schicken Sie der Gesundheitsministerin ein Exemplar des AMB zur Erbauung &#8230; Es ist uns\u00e4glich, was zunehmend auf dem R\u00fccken der Patienten ausgetragen wird an Karrierebeschleunigung und wer da bezahlt werden m\u00f6chte &#8230; sie leeren die T\u00f6pfe, die eigentlich f\u00fcr die Patienten gedacht sind &#8230; <<\n\nDr. G.E. aus Bremen schreibt: >> &#8230; Ich sch\u00e4tze die n\u00fcchtern-sachliche Art Ihrer Artikel sehr &#8230; insbesondere die \u00dcbersichtsartikel. Die beiden Artikel \u00fcber Paditaxel und Hochdosis-Chemotherapie aber \u00fcbertreffen alles bis dahin gewesene. Ich m\u00f6chte Ihnen meinen Dank aussprechen f\u00fcr die immer sachliche, inzwischen aber mit (notwendigem) heiligem Zorn gew\u00fcrzte Berichterstattung.<\/p>\n<p>Dres. M.K. und W.K. aus Berlin schreiben: >> &#8230; Der nicht namentlich erw\u00e4hnte Autor versucht, einige Hintergr\u00fcnde zur klinischen Pr\u00fcfung der Rolle der Hochdosistherapie beim Mammakarzinom kritisch zu beleuchten. Er impliziert zugleich, da\u00df von der Hochdosistherapie bei der Behandlung des Mammakarzinoms in der adjuvanten Hochrisikosituation und in der metastasierten Situation Abschied zu nehmen sei. Obwohl einger\u00e4umt wird, da\u00df es sich bei den zum diesj\u00e4hrigen Kongre\u00df der American Society of Clinical Oncology ver\u00f6ffentlichten Abstracts um vorzeitige, nicht abgesicherte Schlu\u00dffolgerungen handelt, wird die Durchf\u00fchrung von Hochdosistherapien beim Mammakarzinom insgesamt unsachlich und stellenweise polemisch disqualifiziert. Doch darf uns die Tatsache, da\u00df in den ersten Jahren nach den Ver\u00f6ffentlichungen von W.P. Peters zahlreiche Patientinnen au\u00dferhalb klinischer Phase-Ill-Studien behandelt wurden (wenn auch gro\u00dfenteils im Rahmen von Phase-Il-Studien), heute nicht davon abhalten, der dringenden Frage nach dem Stellenwert der adjuvanten Chemotherapie bei Hochrisikopatientinnen <I>lege artis, <\/I>d.h. im Rahmen prospektiv randomisierter Studien, weiter nachzugehen. Das gleiche trifft auf die Pr\u00fcfung der Hochdosistherapie in der metastasierten Situation zu. Der emotional aufgeladene Artikel k\u00f6nnte jedoch genau das bewirken, was er beklagt, n\u00e4mlich da\u00df die Regeln der Evidence-based medicine nicht eingehalten werden, indem die zur Zeit in der Bundesrepublik aktivierten, multizentrischen Phase-Ill-Studien unterminiert werden und nicht zur Komplettierung gelangen. Der Schaden derartig unbedachter \u00c4u\u00dferungen ist unabsehbar f\u00fcr die Patientinnen, die eventuell von der Hochdosistherapie profitieren k\u00f6nnten, ganz zu schweigen von dem Verlust der Chance, den Stellenwert der Hochdosistherapie beim Mammakarzinom abzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Daher bleibt nur der Aufruf an alle Kolleginnen und Kollegen, ihre Patientinnen mit Mammakarzinomen, die die entsprechenden Einschlu\u00dfkriterien erf\u00fcllen, weiterhin im Rahmen der laufenden Studien zur Pr\u00fcfung des Stellenwertes der Hochdosistherapie zu behandeln. Diese Einstellung entspricht dem gemeinsamen Positionspapier der beiden Arbeitsgemeinschaften Gyn\u00e4kologische Onkologie und Internistische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft sowie der Interpretation der beim diesj\u00e4hrigen ASCO-meeting vorgestellten Daten durch die ASCO selbst. <<\n\n<B>Antwort:<\/B> >> Es war Ziel der beiden oben genannten Hauptartikel, unsere Leser auf die Mi\u00dfachtung der Regeln der Evidence-based medicine bei der Einf\u00fchrung von Paclitaxel in die Onkologie und die Propagierung der Hochdosis-Chemotherapie beim Mammakarzinom, insbesondere au\u00dferhalb kontrollierter klinischer Studien, aufmerksam zu machen. Die zahlreichen positiven Antworten unserer Leser verdeutlichen, da\u00df dieses Anliegen verstanden und die von uns ge\u00e4u\u00dferten Kritikpunkte geteilt werden. Die Tatsache, da\u00df weltweit \u00fcber 30000 Patientinnen mit Mammakarzinom im Rahmen der adjuvanten Therapie oder im metastasierten Stadium mit Hochdosis-Chemotherapie behandelt wurden, ohne da\u00df Ergebnisse randomisierter Phase-Ill-Studien vorlagen, die einen validen Vergleich zur konventionell dosierten Polychemotherapie erlauben, wird weder von onkologischen Experten (1) noch kritischen Leserbriefen, wie dem von Dres. M.K. und W.K., bestritten. Die geringe Aussagekraft der zahlreichen Phase-ll-Studien zum Stellenwert der Hochdosis-Chemotherapie beim Mammakarzinom &#8211; mit h\u00e4ufig positivem Ergebnis aufgrund von Patientinnenselektion (2) &#8211; wird durch die vorl\u00e4ufigen Ergebnisse der von uns kurz referierten Phase-Ill-Studien verdeutlicht, die auf dem Kongre\u00df der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 1999 vorgestellt wurden.<\/p>\n<p>Es war <I>nicht <\/I>Ziel der beiden Hauptartikel, derzeit in Deutschland laufende Phase-Ill-Studien, insbesondere zur Hochdosis-Chemotherapie beim Mammakarzinom, zu diskreditieren oder die Rekrutierung von Patient(inn)en f\u00fcr diese Studien zu behindern. Regelm\u00e4\u00dfige Leser des Arzneimittelbriefs wissen, da\u00df wir uns immer wieder (vgl. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6048\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1999, <B>33<\/B>, 25<\/a>) f\u00fcr die Durchf\u00fchrung <I>gro\u00dfer randomisierter Studien <\/I>einsetzen, da in der Regel nur auf diesem Weg Klarheit in strittige Fragen zum optimalen therapeutischen Vorgehen gebracht werden kann. Selbstverst\u00e4ndlich ist ein Erkenntnisgewinn aber nur dann zu erwarten, wenn strenge Anforderungen an die Qualit\u00e4t beachtet werden. Die Frage, inwieweit die von Dres. M.K. und W.K. angesprochenen deutschen multizentrischen Phase-Ill-Studien diese Anforderungen erf\u00fcllen und wichtige zus\u00e4tzliche Erkenntnisse zur Hochdosis-Chemotherapie beim Mammakarzinom ergeben, werden wir erst in einigen Jahren beantworten k\u00f6nnen. Wir glauben nicht, da\u00df unsere \u00c4u\u00dferungen zu diesem Thema als <I>unbedacht <\/I>bezeichnet werden k\u00f6nnen; wir halten eher die Durchf\u00fchrung dieser potenziell gef\u00e4hrlichen, kostenintensiven und in ihrem Nutzen nicht ausreichend abgesicherten Therapie (3) au\u00dferhalb kontrollierter klinischer Studien f\u00fcr <I>unbedacht!<br \/><\/I><br \/>J. K\u00f6bberling hat in seinem lesenswerten Er\u00f6ffnungsvortrag zum 103. Kongre\u00df der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Medizin in Wiesbaden (4) die Grenzen und Unterschiede zwischen wissenschaftlicher und Paramedizin klar analysiert. DER ARZNEIMITTELBRIEF hat sich in den vergangenen Jahren (z.B. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5828\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1997, <B>31<\/B>, 33<\/a>) wiederholt kritisch mit Au\u00dfenseitermethoden in der Onkologie auseinandergesetzt und das Fehlen wissenschaftlicher Nachweise eines therapeutischen Nutzens kritisiert. Deshalb erscheint es uns wichtig, auch Defizite im wissenschaftlichen Medizinbetrieb und deren Hintergr\u00fcnde aufzuzeigen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine &#8222;schleichende Verbreitung unwissenschaftlicher Denkstrukturen&#8220; (4) in der modernen Medizin sind unserer Einsicht nach auch mitverantwortlich f\u00fcr Fehlentwicklungen in der Onkologie. Nur klinische Forschung, die nicht &#8222;durch Vorurteile oder Ideologien befrachtet ist und methodisch sauber, unter Beachtung wissenschaftlicher Vorgehensweisen erfolgt&#8220; (4), wird die Wirksamkeit neuer Medikamente bzw. Therapiestrategien in der Onkologie beurteilen k\u00f6nnen. Wir werden deshalb auch in Zukunft Au\u00dfenseitermethoden ebenso wie neue Medikamente\/Therapiestrategien in der Onkologie kritisch unter die Lupe nehmen. Dies erscheint uns angesichts der inzwischen f\u00fcr den praktisch t\u00e4tigen Arzt un\u00fcberschaubar gro\u00dfen Zahl von Au\u00dfenseitermethoden und Phase-Il-Studien, deren Ergebnisse h\u00e4ufig in Hochglanzbrosch\u00fcren der Pharmaindustrie propagandistisch aufbereitet und verbreitet werden, unbedingt erforderlich. Auch &#8222;Ausw\u00fcchse und Grenz\u00fcberschreitungen der Pharmaindustrie bei ihrer Werbung&#8220; (4) werden uns in Zukunft weiter besch\u00e4ftigen. Ein typisches Beispiel f\u00fcr unseri\u00f6se Werbung ist eine k\u00fcrzlich erfolgte Aussendung der Firma Bristol f\u00fcr Paclitaxel (Taxol). Darin wird die Zulassung von Paclitaxel im Jahre 1993 zur Therapie des metastasierten Ovarialkarzinoms unter dem Motto &#8222;Nur ein Original hat auch eine Geschichte&#8220; in einem Atemzug mit der Entdeckung von Insulin, Penicillin und der Polio-Vakzine genannt. <<\n\n<B>Literatur<br \/><\/B><br \/>1. Possinger, K.: Onkologe 1999, <B>5<\/B> (Suppl. 1), S. 6.<br \/>2. Garcia-Carbonero, R., et al.: J. Clin. Oncol. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9336353&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>15<\/B>, 3178<\/a>.<br \/>3. Hortobagyi, G.N.: J. Clin. Oncol. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10630258&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <B>17<\/B> (November Suppl.), 25<\/a>.<br \/>4. K\u00f6bberling, J.: Med. Klin. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9221297&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>92<\/B>, 181<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu unseren beiden Hauptartikeln (AMB 1999, 33, 81 und 82), die sich kritisch mit dem Fehlen wesentlicher Elemente der Evidence-based medicine beim Einsatz von Paclitaxel und der Hochdosis-Chemotherapie beim Mammakarzinom auseinandersetzen, haben wir erwartungsgem\u00e4\u00df zahlreiche Zuschriften bekommen: zustimmende und ablehnende. Einige seien hier (gek\u00fcrzt) wiedergegeben. 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