{"id":40232,"date":"2000-05-01T12:06:00","date_gmt":"2000-05-01T10:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2000\/behandlung-von-refluxkomplikationen-und-beschwerden-nach-resezierenden-magenoperationen"},"modified":"2000-05-01T12:06:00","modified_gmt":"2000-05-01T10:06:00","slug":"behandlung-von-refluxkomplikationen-und-beschwerden-nach-resezierenden-magenoperationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/behandlung-von-refluxkomplikationen-und-beschwerden-nach-resezierenden-magenoperationen\/","title":{"rendered":"Behandlung von Refluxkomplikationen und -beschwerden nach resezierenden Magenoperationen"},"content":{"rendered":"<p>Wenngleich elektive Operationen bei peptischen bzw. Helicobacter-pylori-assoziierten Magen- und Duodenalgeschw\u00fcren praktisch bedeutungslos geworden sind, ist die Zahl der Notfalloperationen bei Ulkuskomplikationen nicht wesentlich zur\u00fcckgegangen. Auch werden Magenkarzinome, trotz der abnehmenden lnzidenz in den westlichen industrialisierten L\u00e4ndern, unver\u00e4ndert h\u00e4ufig und zunehmend radikaler operiert. Folgezust\u00e4nde resezierender Mageneingriffe sind deshalb unver\u00e4ndert ein klinisches Problem.<\/p>\n<p>Metabolische Resektionskomplikationen (Mangelerscheinungen) sind selten, h\u00e4ufiger sind funktionelle Symptome nach Magenteilresektion oder Gastrektomie (&#8222;Postgastrektomie-Syndrom&#8220;). Letztere sind Folge einer zu geringen Reservoirkapazit\u00e4t des Rest- bzw. Neomagens, einer zu schnellen oder zu langsamen Entleerung, der Vagotomie, fehlfunktionierender D\u00fcnndarmschlingen und\/oder des Verlusts physiologischer Barrieren (Kardia, Pylorus).<\/p>\n<p>Der enterogastrale bzw. -\u00f6sophageale Reflux ist ein h\u00e4ufiges Problem in der Praxis. Ein Refluat aus dem Duodenum bzw. dem oberen D\u00fcnndarm (Gallensaft, Pankreassekret) verursacht &#8222;alkalische, bili\u00e4re&#8220; Gastritiden, selten auch \u00d6sophagitiden. Endogene, hydrophobe Gallensalze gelten als pathogener Faktor bei der Entstehung dieser Mukosasch\u00e4den, die nicht nur Beschwerden verursachen, sondern auch als Pr\u00e4disposition f\u00fcr das Entstehen von (&#8222;Magenstumpf&#8220;-) Karzinomen in Betracht kommen. Zunehmend wird toxischen Gallens\u00e4uren auch eine pathogenetische Rolle bei der Entstehung von Barrett-Metaplasien, einer fakultativen Pr\u00e4kanzerose, angelastet. Vom alleinigen Gallereflux in den \u00d6sophagus sind mitunter Symptome, hingegen kaum \u00d6sophagitiden zu erwarten. Einer (umstrittenen) Hypothese zufolge sollen jedoch gerade Interaktionen zwischen der Magens\u00e4ure und bestimmten Gallensalzen (bei ,,Mixed reflux&#8220;) zu besonders problematischen oxydativen Zellsch\u00e4digungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Charakteristische Beschwerden eines duodeno-gastro\u00f6sophagealen Refluxes sind galliges Erbrechen und Dyspepsien (galliges Aufsto\u00dfen, Oberbauchschmerz, V\u00f6llegef\u00fchl). Endoskopisch weisen Schleimhaut-Reizungen (&#8222;Red-green-disease&#8220;), aber auch ausgepr\u00e4gtere L\u00e4sionen (Erosionen, Ulzera, Narben) auf das Problem hin. Histologisch k\u00f6nnen Meta- und auch Dysplasien gefunden werden. Zur Graduierung der Reflux-Komplikationen werden makroskopische und mikroskopische Kriterien herangezogen. Durch fiberoptische Bilirubin-Me\u00dfsonden, die in den \u00d6sophagus oder in den Magen eingebracht werden, k\u00f6nnen spezialisierte Zentren den enterogastralen bzw. -\u00f6sophagealen Gallereflux auch zuverl\u00e4ssig in vivo quantifizieren (&#8222;Bilitec-Spektrophotometrie&#8220;).<\/p>\n<p>Die Behandlung entero-gastro-\u00f6sophagealer Refluxkomplikationen und -beschwerden ist h\u00e4ufig problematisch. Bei \u00d6sophagitiden ist zun\u00e4chst ein &#8222;saurer Anteil&#8220; im Refluat auszuschlie\u00dfen bzw. mit H<sub>2<\/sub>-Rezeptorenblockern oder Protonenpumpeninhibitoren effektiv zu supprimieren. Ansonsten gilt zur Behandlung postoperativer &#8222;alkalischer; bili\u00e4rer&#8220; Refluxkomplikationen oder -beschwerden die<\/p>\n<p>\u00b7 Korrektur-Operation mit Anlage einer Y-Roux-Schlinge oder einer Jejunuminterposition als effektivste Ma\u00dfnahme.<\/p>\n<p>Bis zu 90% der Patienten kann damit kausal geholfen, d.h. der Reflux beseitigt werden. Allerdings ist eine Reoperation nicht selten problematisch bzw. nicht praktikabel. Dann gibt es f\u00fcr die konservative Therapie verschiedene Ans\u00e4tze:<\/p>\n<p>\u00b7 Als &#8222;Basisma\u00dfnahme&#8220; gilt eine geeignete K\u00f6rperhaltung (z.B. nachts Oberk\u00f6rper-Hochlagerung), die den Reflux bei fehlenden Barrieren wenigstens nicht unterst\u00fctzt.<br \/>\u00b7 Bei refluxbedingten Schleimhautsch\u00e4den k\u00f6nnen Prokinetika, bei Erbrechen auch Antiemetika (Triflupromazin, Dimenhydrinat) probatorisch eingesetzt werden.<br \/>\u00b7 &#8222;Gallens\u00e4urenbindende&#8220; Schichtgitter-Antazida lindern (zuweilen) Refluxsymptome und werden meist besser akzeptiert als Colestyramin. Von Sucralfat ist hingegen kaum eine Wirkung zu erwarten.<br \/>\u00b7 Mikrokristalline Zellulose (5 g\/d) wurde zur Inaktivierung von Gallens\u00e4uren bei duodenogastralem Reflux vorgeschlagen; in einer lateinamerikanischen Studie sind Beschwerden auf diese Weise deutlich vermindert worden. Etabliert ist diese Behandlungsmethode in Europa allerdings nicht.<br \/>\u00b7 Bei &#8222;bili\u00e4rer&#8220; Reflux-Gastritis wurde die Wirksamkeit von Ursodesoxychols\u00e4ure gezeigt: Nach Behandlung mit 2 mal 250 mg\/d verschwanden die dyspeptischen Symptome bei 80,4% der Patienten binnen zweier Monate vollst\u00e4ndig. M\u00f6glicherweise kommt der medikament\u00f6sen Ver\u00e4nderung des Gallens\u00e4urepools im Refluat zugunsten der &#8222;nichttoxischen&#8220; Ursodesoxychols\u00e4ure k\u00fcnftig eine entscheidende therapeutische Bedeutung zu.<\/p>\n<p>Insgesamt befriedigen die (unzureichend oder nicht gesicherten) medikament\u00f6sen Anstrengungen zur Verhinderung bzw. Neutralisation des &#8222;alkalischen&#8220; Refluxes bislang jedoch wenig. Die Betreuung magenresezierter Patienten mit &#8222;bili\u00e4rer&#8220; Refluxkrankheit bleibt &#8211; wenn nicht korrigierend operiert werden kann &#8211; weiterhin problematisch.<\/p>\n<p><B>Empfehlenswerte Literatur<br \/><\/B><br \/>Armbrecht, U., et al.: Der operierte Patient &#8211; interdisziplin\u00e4r Bd. 2; Der gastrektomierte Patient. Karger Basel, Freiburg 1992.<\/p>\n<p>Eichfeld, U., et al.: Der postoperative alkalische Reflux nach totaler Gastrektomie wegen Magenkarzinom. Zentralbl. Chir. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8147156&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <B>119<\/B>, 23<\/a>.<\/p>\n<p>Kirchner, R.: Folgezust\u00e4nde nach Magenresektion und Gastrektomie und ihre Konsequenzen. Z. Gastroenterol. 1996, <B>Suppl. 2<\/B>.<\/p>\n<p>Ventura, P., et al.: A double-blind controlled trial of the efficacy and safety of taurohydrodeoxycholic acid in the treatment of dyspeptic disturbances associated with gall-stones or other hepatic disorders. Clin. Drug Invest. 1996, <B>11<\/B>, 77.<\/p>\n<p>Fuchs, K.-H., et al.: S\u00e4ure und Galle: Die Bedeutung von Reflux und Stase beim operierten Magen. Z. Gastroenterol. 1998, <B>Suppl. 2<\/B>.<\/p>\n<p>Marshall, R.E.K., et al.: Investigation of oesophageal reflux symptoms after gastric surgery with combined pH and bilirubin monitoring. Br. J. Surg. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10100802&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <B>86<\/B>, 271<\/a>.<\/p>\n<p>Vaezi, M.F., et al.: Double reflux: double trouble (comment). Gut <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10205186&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <B>44<\/B>, 590<\/a>.<\/p>\n<p>Stein, H.J., et al.: Bile acids as components of the duodenogastric refluxate: detection, relationship to bilirubin, mechanism of injury and clinical relevance. Hepatogastroenterology (Greece) <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10228767&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <B>46<\/B>, 66<\/a>.<\/p>\n<p>Paniagua, M., et al.: Accion de Ia celulosa microcristalina en la gastritis alcalina por reflujo biliar. Acta Gastroenterol. Latinoam. (Argentina) <a href=\"http:\/\/9412131\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>27<\/B>, 75<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenngleich elektive Operationen bei peptischen bzw. 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