{"id":40266,"date":"2000-09-01T12:07:00","date_gmt":"2000-09-01T10:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2000\/methotrexat-zur-rezidivprophylaxe-beim-m-crohn"},"modified":"2000-09-01T12:07:00","modified_gmt":"2000-09-01T10:07:00","slug":"methotrexat-zur-rezidivprophylaxe-beim-m-crohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/methotrexat-zur-rezidivprophylaxe-beim-m-crohn\/","title":{"rendered":"Methotrexat zur Rezidivprophylaxe beim M. Crohn"},"content":{"rendered":"<p>Bei 60-93% der Patienten mit M. Crohn kann in der Akutsituation durch Glukokortikoide eine Remission erreicht werden. Mit Reduktion der Steroid-Dosis nimmt jedoch bei einem betr\u00e4chtlichen Teil der Patienten die Krankheitsaktivit\u00e4t wieder zu. Patienten mit einer solchen \u201dteroidabh\u00e4ngigkeit\u201dsollten immunsuppressiv, z.B. mit Azathioprin behandelt werden (1). Dadurch kann langfristig das Rezidivrisiko und die zur Erhaltung der Remission notwendige Steroid-Dosis signifikant gesenkt werden. Retrospektive Analysen ergeben, da\u00df nur 10-20% der Patienten, die durch eine Kombinationsbehandlung (Steroide plus Azathioprin) in Remission gekommen sind, bei fortgesetzter Einnahme von Azathioprin ein Rezidiv innerhalb der n\u00e4chsten 24 Monate entwickeln. Wird Azathioprin abgesetzt (z.B. wegen unerw\u00fcnschter Arzneimittelwirkungen = UAW), betr\u00e4gt das Rezidivrisiko hingegen 50-60% (2). Aus Sammelstatistiken geht hervor, da\u00df die Therapie mit Azathioprin wegen UAW bei weniger als 10% der Patienten abgebrochen werden mu\u00df (3); in der Praxis d\u00fcrfte dieser Wert allerdings bei ca. 20-30% liegen. In dieser Situation kann als Alternative zu Azathioprin bei chronisch-aktivem M. Crohn Methotrexat (MTX) eingesetzt werden. In einer 1995 publizierten Studie zeigte sich, da\u00df MTX bei Patienten mit steroidabh\u00e4ngigem M. Crohn einen therapeutischen Wert hat (4). Die Wirkung von MTX setzt dabei relativ rasch ein. Daten zum Langzeitverlauf liegen aber bisher nicht vor.<\/p>\n<p>Von der Arbeitsgruppe um B.G. Feagan wurden jetzt Ergebnisse zur Wirksamkeit von Methotrexat (15 mg i.m. einmal pro Woche) zum Erhalten der Remission vorgelegt (5). In diese plazebokontrollierte Studie wurden 76 Patienten aufgenommen, die sich alle in Remission befanden und zu diesem Zeitpunkt keine Steroide einnahmen. F\u00fcr die Bewertung der Ergebnisse ist wichtig, da\u00df alle Patienten durch eine Kombinationsbehandlung von Glukokortikoiden plus MTX <I>(25 <\/I>mg i.m. einmal pro Woche, 16 Wochen lang) aus einer chronisch-aktiven Krankheitsphase in eine Remission \u00fcberf\u00fchrt worden waren. 40 Patienten wurden weiter mit MTX behandelt, 36 Patienten erhielten Plazebo. Nach 40 Wochen befanden sich in der MTX-Gruppe 65% der Patienten in Remission, in der Plazebo-Gruppe nur 39% (statistisch signifikanter Unterschied). In der MTX-Gruppe war auch der Anteil der Patienten, die wegen eines Rezidivs erneut Steroide ben\u00f6tigten, mit 28% niedriger als in der Plazebo-Gruppe (58%). Ein Abbruch der MTX-Behandlung wegen schwerer UAW war bei keinem Patienten erforderlich. Ein Patient beendete die Therapie wegen anhaltender \u00dcbelkeit, die immerhin bei 40% auftrat.<\/p>\n<p>Wie schon erw\u00e4hnt, ist die Tatsache, da\u00df die Patienten durch eine Kombinationsbehandlung von MTX plus Steroiden in Remission kamen, von besonderer Bedeutung. Das in dieser Studie untersuchte Kollektiv ist also eine Untergruppe der Patienten mit chronisch-aktivem M. Crohn. Leider fehlen Angaben, wie viele Patienten \u00fcberhaupt durch diese Behandlung aus dem chronisch-aktiven Stadium in eine Remission \u00fcberf\u00fchrt werden konnten. In einer von derselben Arbeitsgruppe 1995 publizierten Studie betrug der Anteil nur 39,4% (4). Allerdings war in dieser Studie die Steroid-Medikation, die sicher wesentlich zur Induktion der Remission beitr\u00e4gt, f\u00fcr die Akutsituation ungew\u00f6hnlich niedrig dosiert. Auch bez\u00fcglich der UAW ist die Selektion der Patienten von Bedeutung. In der Phase der Akutbehandlung mu\u00dfte die Therapie bei 17% der Patienten wegen Anstiegs der Transaminasen (n = 7) oder wegen rezidivierender \u00dcbelkeit (n = 6) nach relativ kurzer Zeit beendet werden (4).<\/p>\n<p>Leider k\u00f6nnen aus diesen Ergebnissen keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf solche Patienten gezogen werden, deren Krankheitsaktivit\u00e4t unter Azathioprin nicht ausreichend abnimmt. In diese Studie wurden n\u00e4mlich insgesamt nur zwei Patienten eingeschlossen, die schon einmal mit Azathioprin bzw. 6-Mercaptopurin behandelt worden waren.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Bei Patienten mit chronisch-aktivem M. Crohn, die durch eine Kombinationsbehandlung mit MTX eine Remission erreichen, sollte die Therapie mit MTX mindestens zw\u00f6lf Monate lang weitergef\u00fchrt werden. MTX ist aber aufgrund der Datenlage und wegen m\u00f6glicher UAW nach Azathioprin ein Medikament der 2. Wahl.<br \/><B><br \/>Literatur<\/p>\n<p><\/B>1. Stange, E.F., et al.: Z. Gastroenterologie <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9340931&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>35<\/B>, 541<\/a>.<br \/>2. Bouhnik, Y., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8551879&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1996, <B>347<\/B>, 215<\/a>.<br \/>3. Present, D.H., et al.: Ann. Intern. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=2802419&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1989, <B>111<\/B>, 641<\/a>.<br \/>4. Feagan, B.G., et al.: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=7816064&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1995, <B>332<\/B>, 292<\/a>.<br \/>5. Feagan, B.G., et al.: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10833208&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2000, <B>342<\/B>, 1627<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei 60-93% der Patienten mit M. Crohn kann in der Akutsituation durch Glukokortikoide eine Remission erreicht werden. Mit Reduktion der Steroid-Dosis nimmt jedoch bei einem betr\u00e4chtlichen Teil der Patienten die Krankheitsaktivit\u00e4t wieder zu. 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