{"id":40277,"date":"2000-11-01T12:06:00","date_gmt":"2000-11-01T11:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2000\/neuere-daten-zu-kalziumantagonisten-bei-hypertonie"},"modified":"2000-11-01T12:06:00","modified_gmt":"2000-11-01T11:06:00","slug":"neuere-daten-zu-kalziumantagonisten-bei-hypertonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/neuere-daten-zu-kalziumantagonisten-bei-hypertonie\/","title":{"rendered":"Neuere Daten zu Kalziumantagonisten bei Hypertonie"},"content":{"rendered":"<p>Im Lancet (<a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10972367&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2000, <B>356<\/B>, 359<\/a>) erschien k\u00fcrzlich eine skandinavische Studie von L. Hansson et al. (NORDIL = <B>NOR<\/B>dic <B>DIL<\/B>tiazem), in der die Langzeiteffekte von Diltiazem mit denen von Diuretika und Betarezeptoren-Blockern bei fast 11000 Patienten (Alter 50-74 Jahre) mit diastolischen Blutdruckwerten > 100 mmHg nach randomisierter Zuteilung zu verschiedenen Gruppen verglichen wurden. Nach einer basalen Periode der Blutdruckmessung wurde <I>Gruppe A<\/I> mit 180-360 mg Diltiazem\/d behandelt, bei Studienbeginn zun\u00e4chst mit einem kurzwirksamen, nach 1997 mit einem retardierten Pr\u00e4parat. Lie\u00df sich der Blutdruck hiermit nicht unter die Zielgr\u00f6\u00dfe von < 90 mmHg diastolisch senken, konnten im Schritt 2 ein ACE-Hemmer und im Schritt 3 ein Diuretikum oder ein Beta-Blocker hinzugef\u00fcgt werden. In <I>Gruppe B<\/I> wurde die Therapie mit einem Diuretikum oder einem Beta-Blocker begonnen. Als Schritt 2 konnten diese beiden Antihypertensiva kombiniert und im Schritt 3 ein ACE-Hemmer hinzugef\u00fcgt werden. Die Studiendauer betrug f\u00fcnf Jahre. Prim\u00e4re Endpunkte waren nichtt\u00f6dlicher und t\u00f6dlicher Schlaganfall bzw. Herzinfarkt und andere kardiovaskul\u00e4re Todesf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Systolischer und diastolischer Druck wurden in <I>Gruppe A und B<\/I> in vergleichbarem Ma\u00dfe um 20,3\/18,7 vs. 23,3\/18,7 mmHg gesenkt. Prim\u00e4re Endpunkte ereigneten sich in <I>Gruppe A<\/I> bei 403 und in <I>Gruppe B<\/I> bei 400 Patienten. Im Hinblick auf nichtt\u00f6dlichen und t\u00f6dlichen Schlaganfall betrug das relative Risiko (<I>Gruppe A vs. B<\/I>) 0,8 und bez\u00fcglich nichtt\u00f6dlichem und t\u00f6dlichem Herzinfarkt 1,16, d.h. Schlaganf\u00e4lle wurden durch Diltiazem und Herzinfarkte durch Diuretika\/Beta-Blocker effektiver verhindert. An Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen signifikant h\u00e4ufiger in <I>Gruppe A<\/I>, hingegen Abgeschlagenheit, Atemnot und Impotenz h\u00e4ufiger in <I>Gruppe B<\/I>.<\/p>\n<p>Die Autoren halten aufgrund dieser Studie Diltiazem f\u00fcr \u00e4hnlich wirksam wie Diuretika oder Beta-Blocker mit nichtsignifikanten Trends zugunsten <I>Gruppe B<\/I> beim Herzinfarkt und zugunsten <I>Gruppe A<\/I> bei Schlaganf\u00e4llen.<\/p>\n<p>In einer anderen multizentrischen, vergleichenden Studie (doppeltblind, randomisiert) werden die Ergebnisse an 6321 Patienten im Alter von 55-80 Jahren mit Blutdruckwerten \u00fcber 150\/95 mmHg oder \u00fcber 160 mmHg systolisch vorgestellt, die initial mit retardiertem Nifedipin oder mit einem Diuretikum behandelt wurden (Brown, M.J., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10972368&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2000, <B>356<\/B>, 366<\/a>). Der Name dieser Studie ist INSIGHT = <B>IN<\/B>ternational Nifedipine GITS <B>S<\/B>tudy: <B>I<\/B>ntervention as a <B>G<\/B>oal in <B>H<\/B>ypertension <B>T<\/B>reatment. In dieser Studie erhielt <I>Gruppe A<\/I> initial 30 mg\/d langwirkendes Nifedipin in einem sogenannten gastrointestinalen Transportsystem. <I>Gruppe B<\/I> erhielt initial 25 mg Hydrochlorothiazid plus 2,5 mg Amilorid\/d. Die Titration der Dosis erfolgte anfangs durch Verdopplung und im n\u00e4chsten Schritt durch Zugabe von 25-50 mg Atenolol oder 5-10 mg Enalapril\/d. Prim\u00e4rer Endpunkt waren kardiovaskul\u00e4rer Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall.<\/p>\n<p>Der prim\u00e4re Endpunkt ereignete sich bei 200 Patienten (6,3%) in <I>Gruppe A<\/I> und bei 182 Patienten (5,8%) in <I>Gruppe B<\/I>. Die Blutdrucksenkung war in <I>Gruppe A und B<\/I> vom 2. bis zum 48. Monat nach Studienbeginn gleich. Signifikant mehr Patienten brachen die Therapie in <I>Gruppe A<\/I> (n = 725) als in <I>Gruppe B<\/I> ( = 518) wegen Nebenwirkungen ab. Abbr\u00fcche aus anderen Gr\u00fcnde waren nicht signifikant verschieden. Prim\u00e4re Endpunkte traten bei 200 vs. 182 Patienten in <I>Gruppe A vs. B<\/I> auf. Die Zahlen der nicht t\u00f6dlichen Herzinfarkte, der F\u00e4lle von Pl\u00f6tzlichem Herztod und der Schlaganf\u00e4lle waren nicht unterschiedlich. 16 Patienten in <I>Gruppe A<\/I> und 5 Patienten in <I>Gruppe B<\/I> erlitten t\u00f6dliche Herzinfarkte und 24 Patienten in <I>Gruppe A<\/I> und 11 Patienten in <I>Gruppe B<\/I> entwickelten eine nichtt\u00f6dliche Herzinsuffizienz. Diese letzteren Unterschiede waren noch nicht signifikant, aber im Trend zu Ungunsten von Nifedipin. Die meisten Todesf\u00e4lle waren nicht kardiovaskul\u00e4rer Ursache.<\/p>\n<p>Die Autoren schlie\u00dfen, da\u00df die Medikamente der <I>Gruppe A und B<\/I> bez\u00fcglich der Pr\u00e4vention kardiovaskul\u00e4rer oder zerebrovaskul\u00e4rer Komplikationen in gleichem Ma\u00dfe effektiv sind. Die Wahl der Medikamente k\u00f6nne sich nach dem Blutdruckeffekt und der Vertr\u00e4glichkeit der Medikamente richten.<\/p>\n<p>In einem Editorial von S. MacMahon und B. Neal zu diesen beiden Studien (Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10972362&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2000, <B>356<\/B>, 352<\/a>) wird der derzeitige Erkenntnisstand \u00fcber die Wirksamkeit verschiedener Gruppen von Antihypertensiva diskutiert. Neben den klassischen Risikosenkern, Diuretika und Betarezeptoren-Blockern, haben offenbar auch ACE-Hemmer und, nach den vorliegenden und anderen Studien, auch Kalziumantagonisten einen protektiven Effekt hinsichtlich kardiovaskul\u00e4rer Komplikationen. Kalziumantagonisten scheinen jedoch zur Verhinderung von Herzinsuffizienz nicht so wirksam zu sein wie andere Regime. Sicher scheint zu sein, da\u00df Alpharezeptoren-Blocker koronare Ereignisse deutlich weniger verhindern als ein auf Diuretika basierendes Behandlungsregime. Obwohl die hier referierten Studien NORDIL und INSIGHT mit etwa 10000 bzw. 6000 Patienten bereits sehr umfangreich sind, w\u00fcrden weit gr\u00f6\u00dfere Vergleichsstudien ben\u00f6tigt, um kleinere Unterschiede zwischen den Antihypertensiva hinsichtlich ihrer protektiven Wirkung auf die verschiedenen Aspekte kardiovaskul\u00e4rer Komplikationen mit statistischer Sicherheit erkennen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><B>Fazit<\/B>: Diuretika, Betarezeptoren-Blocker und wahrscheinlich auch ACE-Hemmer sind die Mittel der ersten Wahl in der Hypertonie-Behandlung. Alpharezeptoren-Blocker sollten nicht als Mittel der ersten Wahl betrachtet werden. Diltiazem und stark retardiertes Nifedipin k\u00f6nnen ebenfalls verwendet werden. \u00dcber andere langwirkende Kalziumantagonisten wie Amlodipin und Felodipin liegen diesbez\u00fcglich noch keine ausreichenden Erkenntnisse vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Lancet (2000, 356, 359) erschien k\u00fcrzlich eine skandinavische Studie von L. Hansson et al. (NORDIL = NORdic DILtiazem), in der die Langzeiteffekte von Diltiazem mit denen von Diuretika und Betarezeptoren-Blockern bei fast 11000 Patienten (Alter 50-74 Jahre) mit diastolischen Blutdruckwerten > 100 mmHg nach randomisierter Zuteilung zu verschiedenen Gruppen verglichen wurden. 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