{"id":40288,"date":"2001-03-01T12:01:00","date_gmt":"2001-03-01T11:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2001\/humaninsulin-inhaliert-versus-injiziert-beim-diabetes-mellitus-typ-1-und-typ-2"},"modified":"2001-03-01T12:01:00","modified_gmt":"2001-03-01T11:01:00","slug":"humaninsulin-inhaliert-versus-injiziert-beim-diabetes-mellitus-typ-1-und-typ-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/humaninsulin-inhaliert-versus-injiziert-beim-diabetes-mellitus-typ-1-und-typ-2\/","title":{"rendered":"Humaninsulin inhaliert versus injiziert beim Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2"},"content":{"rendered":"<p>Viele Diabetiker empfinden die Notwendigkeit, drei- oder viermal am Tag Insulin spritzen zu m\u00fcssen, als gro\u00dfe Belastung. Zwar haben die d\u00fcnnen und scharfen Injektionsnadeln und die Injektionshilfen (Pens) die Insulininjektion erleichtert, den Stich jedoch nicht \u00fcberfl\u00fcssig gemacht. Bereits seit den 20er Jahren wurde versucht, Insulin auf anderem Wege als dem der Injektion in die Blutbahn zu bringen. Auch die Idee, Insulin inhalieren zu lassen, ist nicht neu. Von allen versuchten Wegen hat sich aber die Inhalation von Insulin als die brauchbarste Alternative erwiesen, da die Insulinaufnahme durch die Lungenalveolen wegen der Beschaffenheit ihres Endothels und der sehr gro\u00dfen Oberfl\u00e4che relativ gut funktioniert. Nachdem \u00fcber inhalatives Insulin bereits seit l\u00e4ngerer Zeit auf Diabetes-Kongressen vorgetragen wurde, erschien jetzt im Lancet (1) eine von Pfizer finanziell unterst\u00fctzte Studie, die von den Autoren eine &#8222;Proof-of-concept&#8220;-Untersuchung genannt wird. 73 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 (18 bis 55 Jahre alt, mittlere Diabetesdauer etwa 14 Jahre, etwa gleich viele Frauen wie M\u00e4nner) nahmen an der offen randomisierten Vergleichsstudie zwischen injiziertem und inhaliertem Insulin teil. Alle Patienten hatten bisher 2 oder 3 Dosen Altinsulin\/d gespritzt sowie ein lang wirkendes Insulin zur Nacht. 37 Patienten spritzten nach einer basalen Kontrollperiode weiterhin s.c. Insulin, w\u00e4hrend 35 Patienten auf Insulininhalation mit einem besonderen Spacer umgesetzt wurden, dessen Dosierung je nach pr\u00e4prandial gemessenem Blutzucker einstellbar war. Der HbA<sub>1C<\/sub>-Wert mu\u00dfte bei Studieneinschlu\u00df zwischen 7 und 11,9% liegen. Angestrebte pr\u00e4prandiale Blutzuckerwerte waren 5,6-8,9 mmol\/l (100-160 mg\/dl). Im Mittel waren die HbA<sub>1C<\/sub>-Werte bei Einschlu\u00df in beiden Gruppen 8,5%. Die Studie wurde in beiden Gruppen durch Diabetesschulung einschlie\u00dflich Ern\u00e4hrungs- und technischer Beratung begleitet.<\/p>\n<p><B>Ergebnisse:<\/B> In dieser nur 12 Wochen dauernden Studie waren die HbA<sub>1C<\/sub>-Werte am Ende 7,9% in der Inhalations- und 7,7% in der Injektions-Gruppe. Die H\u00e4ufigkeit von leichten und schweren Hypoglyk\u00e4mien war in beiden Gruppen gleich. Die Blutzuckerkurven \u00fcber 3 Stunden nach Einnahme einer Testmahlzeit bei Beginn und am Ende der Studie waren in beiden Gruppen kaum zu unterscheiden. Das inhalierte Insulin wurde gut vertragen, und die spirometrischen Daten (Lungenvolumina, FEV<sub>1<\/sub> etc.) \u00e4nderten sich nicht.<\/p>\n<p>\u00dcber eine gleich gute Wirksamkeit und \u00fcber gute pulmonale Vertr\u00e4glichkeit wird in einer anderen, drei Monate dauernden und ebenfalls von Pfizer unterst\u00fctzten Studie mit 26 insulinpflichtigen Typ-2-Diabetikern berichtet (2). Auch diese Patienten spritzten zur Nacht zus\u00e4tzlich ein lang wirkendes Insulin s.c.<\/p>\n<p>In einem die zuerst referierte Studie begleitenden Editorial (3) werden die Ergebnisse zwar n\u00fcchtern, aber doch mit einem gewissen Enthusiasmus besprochen. F\u00fcr Diabetiker, die h\u00e4ufig spritzen m\u00fcssen, ergebe sich jetzt die Perspektive, nach Marktreife des inhalativen Insulins auf mehrere Injektionen\/d, jedoch nicht auf die Injektion eines lang wirkenden Insulins (in den Studien wurde Insulin Ultralente verwendet) verzichten zu k\u00f6nnen. Die vorliegenden Daten seien schon seit etwa zwei Jahren bekannt, jedoch ziele die Pfizer GmbH, die das inhalierbare Insulin und das Inhalationssystem entwickelt habe, auf Typ-2-Diabetiker ab. Da nur etwa 5% des inhalierten Insulins in der Blutbahn landet, m\u00fc\u00dfte ein Patient, der etwa 18 I.E. Insulin spritzt, 350 I.E. inhalieren. Hieraus und aus den Kosten des vermutlich erst k\u00fcrzlich patentierten Inhalationsger\u00e4ts l\u00e4\u00dft sich bereits ableiten, da\u00df die inhalative Insulintherapie, wenn sie auf den Markt kommt, viel teurer sein wird als Insulininjektionen. Trotz dieser \u00dcberlegungen, die den Einsatz des inhalierbaren Insulins noch f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit limitieren werden, ist der Kommentator der Meinung, da\u00df es sich hier um einen wichtigen Fortschritt in der Therapie einer der h\u00e4ufigsten gut behandelbaren Krankheiten handelt.<br \/><B><br \/>Fazit:<\/B> In einer &#8222;Proof-of-concept&#8220;-Studie konnte bei Typ-1- und in einer anderen Studie bei Typ-2-Diabetikern gezeigt werden, da\u00df mit einem speziellen Spacer vor den Mahlzeiten inhaliertes Normalinsulin (bei weiterhin abendlicher s.c. Injektion eines lang wirkenden Insulins) zu einer gleich guten Kontrolle des Blutzuckerprofils und des HbA<sub>1C<\/sub>-Werts f\u00fchren kann wie eine mehrmalige s.c. Injektion von Normalinsulin.<\/p>\n<p><B>Literatur<br \/><\/B><br \/>1. Skyler, J.S., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11210993&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2001, <B>357<\/B>, 331<\/a>.<br \/>2. Cefalu, W.T., et al.: Ann. Intern. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11177333&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2001, <B>134<\/B>, 203<\/a>.<br \/>3. Gale, E.A.M.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11210986&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2001, <B>357<\/B>, 324<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Diabetiker empfinden die Notwendigkeit, drei- oder viermal am Tag Insulin spritzen zu m\u00fcssen, als gro\u00dfe Belastung. 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