{"id":40342,"date":"2001-09-01T12:03:00","date_gmt":"2001-09-01T10:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2001\/leserbrief-zur-oestrogen-therapie-in-der-postmenopause"},"modified":"2001-09-01T12:03:00","modified_gmt":"2001-09-01T10:03:00","slug":"leserbrief-zur-oestrogen-therapie-in-der-postmenopause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/leserbrief-zur-oestrogen-therapie-in-der-postmenopause\/","title":{"rendered":"Leserbrief: Zur \u00d6strogen-Therapie in der Postmenopause"},"content":{"rendered":"<p>Prof. Dr. T.H.L. und Dr. A.O.L. aus T\u00fcbingen schreiben: >> Bei einer Abhandlung \u00fcber die Zielsetzung der \u00d6strogen-Therapie in der Postmenopause mit Diskussion \u00fcber Pro und Contra kann nicht darauf verzichtet werden, auf die Pr\u00e4parate, die bei der Hormontherapie eingesetzt werden, n\u00e4her einzugehen. Mit \u00d6strogenen werden sehr unterschiedliche Substanzen mit unterschiedlichen Wirkprofilen in einer Hormonklasse zusammengefa\u00dft; definitionsgem\u00e4\u00df ist die Zugeh\u00f6rigkeit zu dieser Substanzklasse nur durch ihre Aktivit\u00e4t auf den Genitaltrakt gegeben. Von den derzeit angewandten Pr\u00e4paraten ist nur \u00d6stradiol, ein k\u00f6rpereigenes \u00d6strogen, geeignet f\u00fcr eine physiologische Hormonsubstitution&#8230; So mu\u00df konstatiert werden, da\u00df der Abfall der menschlichen \u00d6strogenproduktion nach Abschlu\u00df der reproduktiven Phase, der bei mehr als der H\u00e4lfte aller postmenopausalen Frauen zu Mangelerscheinungen f\u00fchrt (1), nicht nur mit menschlichem \u00d6stradiol, sondern auch alternativ mit anderen \u00d6strogenen mit Erfolg behandelt werden kann. Dies bedeutet jedoch nicht, da\u00df deren Wirkungsspektren kongruent sein m\u00fcssen, d.h. da\u00df auch die Nebenwirkungen dieselben sein m\u00fcssen. In nahezu allen Studien, die in dem vorliegenden Artikel aufgef\u00fchrt werden, wurden statt \u00d6stradiol sogenannte konjugierte equine \u00d6strogene eingesetzt, da bis vor kurzem in vielen L\u00e4ndern, unter anderem auch in den USA, keine physiologischen \u00d6strogene zur Hormonsubstitution verf\u00fcgbar waren. Bei den equinen \u00d6strogenenhandelt es sich um einen Extrakt aus Stutenharn mit prim\u00e4r ausgewiesenen 5-10, neuerdings aber \u00fcber 200 Steroidkomponenten mit zum Gro\u00dfteil noch unerforschten, im menschlichen Organismus nicht vorkommenden \u00d6strogenen (2).<\/p>\n<p>Durch die Postmenopausenforschung wurde erstmals aufgezeigt, da\u00df \u00d6strogene nicht nur reproduktive Aufgaben, sondern auch zahlreiche extragenitale Funktionen besitzen (3)&#8230;<\/p>\n<p>Die Ziele einer \u00d6strogensubstitution k\u00f6nnen heute, da zahlreiche Daten \u00fcber die Wirkmechanismen von \u00d6stradiol vorliegen, kaum mehr in Frage gestellt werden. Es ist vielmehr zu fragen, inwieweit Fremd\u00f6strogene geeignet sind, mit den k\u00f6rpereigenen zu konkurrieren.<\/p>\n<p>Unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen sind die wichtigsten Argumente gegen eine \u00d6strogensubstitution in der Menopause. Epidemiologische Studien zur Erfassung der Nebenwirkungen sind bereits in zahlreichem Umfang durchgef\u00fchrt worden. Selbst gro\u00dfe Metaanalysen waren jedoch bisher nicht in der Lage, eindeutige Aussagen \u00fcber ernsthafte Nebenwirkungen, wie das Auftreten von Mammakarzinomen, zu liefern. Risikofaktoren von 2 und h\u00f6her, die in der Lage w\u00e4ren, einen engen Zusammenhang der Brustkrebsentstehung mit der \u00d6strogen-Therapie aufzuzeigen, wurden in Metaanalysen nie erreicht (4)&#8230;<\/p>\n<p>Die Datenlage spricht jedenfalls nicht, wie im Artikel angegeben, gegen eine physiologische Hormonsubstitution&#8230; Es sollte auch darauf hingewiesen werden, da\u00df aussagekr\u00e4ftige Vergleichsstudien zwischen equinen \u00d6strogenen und physiologischem \u00d6stradiol nicht existieren. Die derzeitigen Schlu\u00dffolgerungen basieren weitgehend auf der Annahme, da\u00df alle \u00d6strogenpr\u00e4parate dieselben Eigenschaften aufweisen. Es gibt aber keine Beweise daf\u00fcr, da\u00df das k\u00f6rpereigene \u00d6stradiol in physiologischer Dosierung karzinogen wirkt. Die Feststellung des \u00d6strogenforschers Liehr, der sich seit vielen Jahren mit der Tumorentstehung durch \u00d6strogene befa\u00dft, d\u00fcrfte einem gesunden Menschenverstand entsprechen: &#8222;If any endogenous compound was a strong carcinogen we would all be dead&#8220; (5).<\/p>\n<p>&#8230;Nicht jede Frau bedarf einer \u00d6strogensubstitution. Die Indikation dazu braucht jedoch nicht restriktiv gestellt werden, da bei physiologisch niedrig-dosierter \u00d6stradiolsubstitution nur zwei Kontraindikationen bestehen &#8211; akute tiefe ven\u00f6se Thrombose und Rezeptor-positives Mammakarzinom (6). <<\n\n<B>Literatur<br \/><\/B><br \/>1. Jakobs, S., und Hillard, T.C.: Drugs Aging <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8720745&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1996, <B>8<\/B>, 193<\/a>.<br \/>2. Klein, R.: Int. J. Fertil. 1998, <B>43<\/B>, 223.<br \/>3. Lippert, T.H., et al.: Metabolism of endogenous estrogens. In: Oettel, M., und Schillinger, E. (Hrsgb.): Estrogens and Antiestrogens I. Springer, Berlin 1999, S. 243.<br \/>4. Thornecroft, I.H.: Breast cancer and estrogen replacement therapy. In: Eskin, B.A. (Hrsgb.): The Menopause, comprehensive Management. The Parthenon Publishing Group. New York 2000, S. 287.<br \/>5. Service, R.F.: Science <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9518374&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>279<\/B>, 1631<\/a>.<br \/>6. Mueck, A.O., und Lippert, T.H.: M\u00fcnch. Med. Wschr. 1997, <B>139<\/B>, 495.<\/p>\n<p><B>Antwort:<\/B> >> Sie werden erkannt haben, da\u00df es unser Anliegen war, die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Propagierung einer Langzeittherapie mit \u00d6strogenen\/Gestagenen (\u00fcber 5 Jahre hinaus) ohne gegebene Indikation einzud\u00e4mmen (<a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5613\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2001, <B>35<\/B>, 17<\/a>). Gegen eine niedrig dosierte \u00d6strogensubstitution\/-therapie in der fr\u00fchen Postmenopause ist, wie in unserem Artikel ausgef\u00fchrt wurde, selbstverst\u00e4ndlich bei entsprechenden Beschwerden und Therapiewunsch der Frau nichts einzuwenden.<\/p>\n<p>Auf die wahrscheinlich vorhandenen Unterschiede im Nebenwirkungsspektrum von \u00d6stradiol selbst und konjugierten \u00d6strogenen wurde deshalb nicht eingegangen, weil &#8211; wie Sie selbst bemerken &#8211; hier\u00fcber keine gesicherten Daten vorliegen. Es w\u00e4re \u00e4u\u00dferst w\u00fcnschenswert, wenn Sie eine solche Vergleichsstudie initiieren w\u00fcrden, da Sie ja offenbar \u00fcber eine Sektion f\u00fcr Klinische Pharmakologie in Gyn\u00e4kologie und Geburtshilfe verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Zum Mammakarzinom nach Langzeittherapie mit \u00d6strogenen mu\u00df allerdings folgendes bemerkt werden: In der Ver\u00f6ffentlichung der Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer (Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10213546&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>350<\/B>, 1047<\/a>) ist gezeigt worden, da\u00df sowohl eine lange reproduktive Periode der Frau (Zeitabstand zwischen Menarche und Menopause) als auch die Dauer einer \u00d6strogen-Therapie (meist mit konjugierten \u00d6strogenen) das Relative Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, erh\u00f6hen. Da w\u00e4hrend der reproduktiven Phase der Frau das Mammagewebe nicht den \u00d6strogenen aus Stutenharn, sondern den endogenen \u00d6strogenen (\u00fcberwiegend \u00d6stradiol) ausgesetzt ist, scheint zumindest in dieser Hinsicht kein fundamentaler Unterschied zwischen diesen Wirkstoffgruppen zu existieren.<\/p>\n<p>Die Aussage von Liehr: &#8222;If any endogenous compound was a strong carcinogen we would all be dead&#8220; finden wir ziemlich naiv, da vieles in der Biologie eine Frage der Dosis ist. So gibt es z.B. keinen Zweifel, da\u00df Wachstumshormon das Wachstum verschiedener Tumore f\u00f6rdern kann. Ohne endogene Androgene gibt es kein Prostatakarzinom, und die von Ihnen best\u00e4tigte Kontraindikation f\u00fcr eine \u00d6strogen-Therapie (\u00d6strogenrezeptor-positives Mammakarzinom) beruht auf der Erfahrung, da\u00df \u00d6strogene zumindest wachstumsf\u00f6rdernd auf dieses Karzinom wirken.<\/p>\n<p>Ihr Hinweis, da\u00df f\u00fcr keine der Nebenwirkungen von \u00d6strogenen Risikofaktoren von 2 oder h\u00f6her bekannt sind, ist unseres Erachtens irrelevant f\u00fcr ein so h\u00e4ufiges Karzinom wie das Mammakarzinom, von dem etwa jede 10 Frau betroffen wird. W\u00fcrden Sie als Verantwortliche f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung Ihrer Patientinnen tats\u00e4chlich warten bis eine Lebenszeit-Inzidenz des Mammakarzinoms unter \u00d6strogen-Therapie bei jeder 5. Frau erwiesen ist, bevor Sie auf das erh\u00f6hte Risiko hinweisen? << \n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. T.H.L. und Dr. A.O.L. aus T\u00fcbingen schreiben: >> Bei einer Abhandlung \u00fcber die Zielsetzung der \u00d6strogen-Therapie in der Postmenopause mit Diskussion \u00fcber Pro und Contra kann nicht darauf verzichtet werden, auf die Pr\u00e4parate, die bei der Hormontherapie eingesetzt werden, n\u00e4her einzugehen. 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