{"id":40382,"date":"2002-02-01T12:03:00","date_gmt":"2002-02-01T11:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2002\/pegvisomant-ein-wachstumshormon-rezeptor-antagonist-in-der-therapie-der-akromegalie"},"modified":"2002-02-01T12:03:00","modified_gmt":"2002-02-01T11:03:00","slug":"pegvisomant-ein-wachstumshormon-rezeptor-antagonist-in-der-therapie-der-akromegalie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/pegvisomant-ein-wachstumshormon-rezeptor-antagonist-in-der-therapie-der-akromegalie\/","title":{"rendered":"Pegvisomant, ein Wachstumshormon-Rezeptor-Antagonist, in der Therapie der Akromegalie"},"content":{"rendered":"<p>Eine Akromegalie wird fast immer durch Wachstumshormon (Growth hormone = GH) sezernierende Makroadenome (> 1 cm Durchmesser) der Hypophyse verursacht. Die Therapie ist schwierig. Nur etwa 50% der Patienten werden durch die Hypophysenoperation geheilt. Da die nicht geheilten Patienten eine schlechte &#8222;Lebensqualit\u00e4t&#8220; und eine verk\u00fcrzte Lebenserwartung haben, werden sie in der Regel durch Bestrahlung des Resttumors der Hypophyse und\/oder durch die dauerhafte Behandlung mit sehr teuren Somatostatin-Analoga (z.B. Octreotid, auch als Depot-Injektion) behandelt. Hypophysenbestrahlung f\u00fchrt aber oft zur Hypophyseninsuffizienz mit der Notwendigkeit, Kortisol, Thyroxin und Sexualhormone zu substituieren.<\/p>\n<p>Vor einiger Zeit wurden erste Therapiestudien mit einem von einer US-amerikanischen Firma entwickelten GH-Analogon, das mit Polyethylenglykol substituiert (pegyliert) ist, ver\u00f6ffentlicht (1). Die Substanz Pegvisomant antagonisiert GH an seinem Rezeptor, besonders in der Leber. Dadurch sinkt die Konzentration des durch GH induzierten sekund\u00e4ren Wachstumsfaktors, des Insulin-like growth factor I (IGF I), der bei Akromegalie erh\u00f6ht ist. Da IGF I wiederum per &#8222;feedback&#8220; hypophys\u00e4res GH hemmt, steigt unter der Therapie mit Pegvisomant der GH-Spiegel bei Akromegalen weiter an. Es wurde bef\u00fcrchtet, da\u00df unter dieser Therapie auch die Hypophysentumore gr\u00f6\u00dfer werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Im Lancet wurde jetzt eine Multicenterstudie ver\u00f6ffentlicht (2), in der \u00fcber die Behandlung von 152 Patienten mit Akromegalie f\u00fcr bis zu 18 Monate mit Pegvisomant (initial 10 mg\/d, bis zu einer maximalen titrierten Tagesdosis von 40 mg s.c.) berichtet wurde. Hinsichtlich der Abnahme der l\u00e4stigen Symptome dieser Erkrankung, besonders der Weichteilschwellungen, finden sich wenige Angaben in der Arbeit. Gemessen am Abfall der IGF-I-Konzentration im Plasma, am Abfall des Blutzuckers und der Plasma-Insulinkonzentration (Akromegale sind Insulin-resistent) war die Therapie bei \u00fcber 90% erfolgreich. Bei zwei Patienten wurde wegen Vergr\u00f6\u00dferung des Hypophysentumors eine Intervention notwendig, jedoch \u00e4nderte sich bis zu 18 Monaten Therapie das mit MRT gemessene mittlere Hypophysentumor-Volumen bei der Gesamtheit der Patienten nicht. Die Behandlung war insgesamt relativ gut vertr\u00e4glich. Vermutlich wird das Medikament, wenn vermarktet, \u00e4hnlich wie Somastostatin-Analoga, sehr teuer werden. In einigen F\u00e4llen wird man aber um seinen Einsatz im Interesse des Patienten nicht herumkommen.<\/p>\n<p>In einem begleitenden Editorial von K.K.Y. Ho aus Australien (3) wird der Artikel kommentiert. Als generelles therapeutisches Vorgehen bei neu diagnostizierter Akromegalie wird folgendes Procedere empfohlen: Falls keine Kontraindikationen bestehen, sollte der Tumor durch einen spezialisierten Neurochirurgen operiert werden. Bei weiter aktiver Erkrankung sollte eine Radiotherapie oder eine Langzeittherapie mit Dopaminagonisten, z.B.Bromocriptin (selten erfolgreich), oder mit Somatostatin-Analoga erfolgen. Falls letztere unzureichend wirken: Pegvisomant. Durch erh\u00f6hte Aufmerksamkeit der Haus\u00e4rzte sollte die Diagnose Akromegalie m\u00f6glichst fr\u00fch gestellt werden. Es ist erstaunlich, wie lange die charakteristischen Ver\u00e4nderungen im Gesicht und an den H\u00e4nden \u00fcbersehen werden. Je kleiner der Tumor bei Erstdiagnose ist, um so gr\u00f6\u00dfer ist die Heilungschance durch die Hypophysenoperation.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Pegvisomant, ein neuer Wachstumshormon-Rezeptor-Antagonist, korrigiert die erh\u00f6hten Plasmakonzentrationen von IGF I (dem eigentlichen Wachstumsfaktor) bei Akromegalie mit gro\u00dfer Zuverl\u00e4ssigkeit. In der Therapie bleibt ist es aber zun\u00e4chst ein Reservemedikament hinter Operation, Bestrahlung der Hypophyse und Somatostatin-Analoga.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Trainer, P.J., et al.: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10770982&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2000, <b>342<\/b>, 1171<\/a>.<\/li>\n<li>van der Lely, A.J., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11734231&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2001, <b>358<\/b>, 1754<\/a>.<\/li>\n<li>Ho, K.K.Y.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11734225&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2001, <b>358<\/b>, 1743<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Akromegalie wird fast immer durch Wachstumshormon (Growth hormone = GH) sezernierende Makroadenome (> 1 cm Durchmesser) der Hypophyse verursacht. Die Therapie ist schwierig. Nur etwa 50% der Patienten werden durch die Hypophysenoperation geheilt. 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