{"id":40449,"date":"2002-11-01T12:04:00","date_gmt":"2002-11-01T11:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2002\/rituximab-zur-therapie-der-idiopathischen-membranoesen-glomerulopathie"},"modified":"2002-11-01T12:04:00","modified_gmt":"2002-11-01T11:04:00","slug":"rituximab-zur-therapie-der-idiopathischen-membranoesen-glomerulopathie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/rituximab-zur-therapie-der-idiopathischen-membranoesen-glomerulopathie\/","title":{"rendered":"Rituximab zur Therapie der idiopathischen membran\u00f6sen Glomerulopathie?"},"content":{"rendered":"<p>Die membran\u00f6se Glomerulopathie (MGP) ist eine \u00e4tiologisch ungekl\u00e4rte Erkrankung, die nicht selten zur dialysepflichtigen Niereninsuffizienz f\u00fchrt. Der zeitliche Verlauf und die Symptome sind individuell recht unterschiedlich; die meisten Patienten haben ein nephrotisches Syndrom, das konstant besteht oder in Sch\u00fcben mit Remissionen verl\u00e4uft. Die MGP ist die h\u00e4ufigste Ursache des nephrotischen Syndroms im Erwachsenenalter. Die MGP gibt es in Assoziation mit anderen Erkrankungen (sekund\u00e4re Form, z.B. bei Karzinomen, Hepatitis B oder C, nach Arzneimitteln oder Chemikalien) oder idiopathisch.<\/p>\n<p>Histologisch ist die MGP gekennzeichnet durch Vorw\u00f6lbungen der glomerul\u00e4ren Basalmembran (Spikes) und teilweise massiven granul\u00e4ren subepithelialen Immunkomplex-Ablagerungen, die \u00fcberwiegend IgG enthalten. An der Bildung dieser Immunkomplexe mit nicht genau bekannten glomerul\u00e4ren, aber auch nicht-renalen Antigenen sind nach heutiger Sicht B-Lymphozyten beteiligt. Auf diesen pathogenetischen Vorstellungen fu\u00dfen auch die bisherigen &#8211; notgedrungen nicht spezifischen &#8211; Therapieversuche mit zytostatischen bzw. immunsuppressiven Substanzen, z.B. Chlorambucil plus Kortikosteroide (sog. Ponticelli-Schema; 1, 2), Ciclosporin (3, 4) oder Cyclophosphamid plus Kortikosteroide (5-7). Leider sind diese Therapieversuche bei einem gro\u00dfen Teil der Patienten unbefriedigend, sowohl hinsichtlich der Besserung des nephrotischen Syndroms als auch auch hinsichtlich des Funktionsverlustes der Nieren. Zudem ist diese Therapie mit teils schweren UAW (Infektionen, Leukopenie) verbunden, die zum Absetzen zwingen. Neuartige Therapieans\u00e4tze hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Deshalb ist eine unter der Rubrik \u201dResearch Letters\u201d im Lancet erschiene Arbeit der Arbeitsgruppe um G. Remuzzi interessant (8). Sie hat sich mit der Wirkung des gegen das CD20-Antigen von B-Lymphozyten gerichteten monoklonalen Antik\u00f6rpers Rituximab (Mabthera; s.a. 9) bei acht Patienten mit idiopathischer MGP und nephrotischem Syndrom befa\u00dft, die nicht niereninsuffizient waren (Kreatinin-Clearance um 124 ml\/Min.\/1,73 m<sup>2<\/sup>). Rituximab wurde in einer Dosis von 375 mg\/m<sup>2<\/sup> alle 4 Wochen insgesamt 20 Wochen lang als Infusion gegeben. F\u00fcr diese Indikation ist Rituximab bei uns nicht zugelassen.<\/p>\n<p><b>Ergebnisse:<\/b> Mit Ausnahme eines Patienten besserte sich nach 4 bzw. 20 Wochen die gro\u00dfe Proteinurie signifikant von im Mittel anfangs 8,6 \u00b1 1,4 auf 3,8 \u00b1 0,8 bzw. 3,7 \u00b1 0,9 g\/d. Zwei Patienten erreichten eine komplette Remission ihres nephrotischen Syndroms. Albuminurie und fraktionelle Albumin-Clearance fielen um 70% bzw. 65% und das Serumalbumin stieg um 31%. Das Serum-Kreatinin und die Kreatinin-Clearance blieben unver\u00e4ndert. Das K\u00f6rpergewicht nahm um 5 kg ab. Der Anteil der CD20-Lymphozyten an den Lymphozyten insgesamt fiel schon nach der ersten Infusion von Rituximab stark ab (von 9,3% auf 0%) und blieb auch bis zum Studienende unterhalb normaler Werte (3,7%). In der Zahl der Lymphozyten, Granulozyten, Thrombozyten und in der Konzentration der Immunglobuline fanden sich keine Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Als UAW traten bei einem Patienten Sch\u00fcttelfrost sowie bei zwei Patienten Exanthem und Laryngospasmus nach der ersten Infusion auf mit rascher Besserung nach 125 mg Methylprednisolon i.v.. Die Autoren meinen, da\u00df die (Kurzzeit-)Vertr\u00e4glichkeit von Rituximab besser ist als die der bisherigen Behandlungsregime.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Diese erste kleine Studie scheint zu best\u00e4tigen, da\u00df B-Lymphozyten mit CD20-Antigen pathogenetisch an der idiopathischen MGP beteiligt sind und da\u00df es in Zukunft m\u00f6glicherweise etwas spezifischere M\u00f6glichkeiten gibt, therapeutisch einzugreifen. Die Ergebnisse m\u00fcssen in gr\u00f6\u00dferen Studien \u00fcberpr\u00fcft werden, denn viele Fragen sind noch offen, so z.B., wie lange der Effekt von Rituximab anh\u00e4lt, ob auch Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz und schweren histologischen Ver\u00e4nderungen profitieren und ob schlie\u00dflich die Langzeitvertr\u00e4glichkeit von Rituximab im Vergleich zur bisherigen zytostatisch-immunsuppressiven Therapie bei idiopathischer MGP wirklich besser ist.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Ponticelli, C., et al.: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=1640953&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1992, <b>327<\/b>, 599<\/a>.<\/li>\n<li>Ponticelli, C., und Passerini, P.: Kidney Int. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=7996782&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <b>46<\/b>, 595.<\/a><\/li>\n<li>Rostoker, G., et al.: Nephron <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8446273&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1993, <b>63<\/b>, 335.<\/a><\/li>\n<li>Cattran, D.C., et al.: Kidney Int. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=7783410&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1995, <b>47<\/b>, 1130<\/a>.<\/li>\n<li>Reichert, L.J., et al.: Ann. Intern. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8042821&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <b>121<\/b>, 328<\/a>.<\/li>\n<li>Branten, A.J.W., et al.: Clin. Nephrol. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11499653&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2001, <b>56<\/b>, 1<\/a>.<\/li>\n<li>Ponticelli, C., et al.: J. Am. Soc. 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