{"id":40525,"date":"2003-10-01T12:01:00","date_gmt":"2003-10-01T10:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2003\/orale-nicht-aber-die-transdermale-hrt-erhoeht-das-thromboembolie-risiko"},"modified":"2003-10-01T12:01:00","modified_gmt":"2003-10-01T10:01:00","slug":"orale-nicht-aber-die-transdermale-hrt-erhoeht-das-thromboembolie-risiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/orale-nicht-aber-die-transdermale-hrt-erhoeht-das-thromboembolie-risiko\/","title":{"rendered":"Orale, nicht aber die transdermale &#8222;HRT&#8220; erh\u00f6ht das Thromboembolie-Risiko"},"content":{"rendered":"<p>Die Indikation zur Verordnung von \u00d6strogen\/(Gestagen)-Pr\u00e4paraten nach der Menopause (sog. HRT) sollte aus Gr\u00fcnden des erh\u00f6hten Brustkrebsrisikos bei mehrj\u00e4hriger Einnahme und wegen des Risikos kardiovaskul\u00e4rer Komplikationen deutlich eingeschr\u00e4nkt werden. <i>Ein<\/i> Pathomechanismus der kardiovaskul\u00e4ren Komplikationen ist die prothrombotische Wirkung der oralen HRT. F\u00fcr die erst sp\u00e4ter eingef\u00fchrte transdermale HRT ist das Thromboserisiko nicht bekannt. Da transdermales \u00d6strogen nicht in hoher Konzentration die Leber passiert und die in der Leber durch orale \u00d6strogene induzierte vermehrte Synthese mancher Proteine, wie Angiotensinogen oder Gerinnungsfaktoren, weitgehend entf\u00e4llt, w\u00e4re es plausibel, wenn die transdermale HRT ein geringeres Thrombose-Risiko nach sich zieht als die orale.<\/p>\n<p>Das ist auch das Ergebnis der ersten an einem ausreichend gro\u00dfen Patientenkollektiv durchgef\u00fchrten Fall-Kontroll-Studie aus Frankreich (Scarabin, P.Y., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=12927428&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2003, <b>362<\/b>, 428).<\/a> In dieser Multicenter-Studie mit 155 postmenopausalen Frauen mit einer <i>ersten<\/i> tiefen Beinvenenthrombose mit (n = 92) oder ohne (n = 63) Lungenembolie wurde die HRT-Anamnese sehr sorgf\u00e4ltig erhoben und mit der von 381 parallel station\u00e4r aufgenommenen vergleichbaren Kontroll-Patientinnen ohne akute Thromboembolie verglichen. Die demographischen Daten der &#8222;cases&#8220; und &#8222;controls&#8220; (mittleres Alter in beiden Gruppen um 62 Jahre) unterschieden sich aber signifikant hinsichtlich Body-mass-Index, famili\u00e4rer Belastung mit Thromboembolien (26% versus 18%), Diabetes mellitus und H\u00e4ufigkeit von Varikosis der Beine. Die &#8222;controls&#8220; hatten Krankheiten des Verdauungstrakts, der Atemwege, der Knochen und Gelenke, der Augen und andere.<\/p>\n<p>32 der Thrombosepatientinnen nahmen aktuell oder bis 3 Monate zuvor <i>orale<\/i> HRT-Pr\u00e4parate ein (21%). Bei den Kontrollen war das nur bei 7% der Fall. 30 der Thromboembolie-Patientinnen benutzten aktuell oder bis 3 Monate zuvor <i>transdermale<\/i> HRT-Pr\u00e4parate (19%), w\u00e4hrend dies bei 24% der Kontrollen der Fall war. Das hieraus errechnete Relative Risiko (RR) f\u00fcr Thromboembolie bei oraler HRT ist 3,5, bei transdermaler HRT 0,9. Der Unterschied ist signifikant. Fr\u00fchere Benutzung von HRT (&#8222;past user&#8220;) war nicht mit erh\u00f6htem Thromboembolie-Risiko assoziiert. Frauen mit oraler HRT k\u00fcrzer als ein Jahr hatten das h\u00f6chste RR (10,1); bei Gebrauch > 4 Jahre war es noch 2,0. Bei transdermaler HRT war das RR im ersten Jahr des Gebrauchs 1,9 (0,4-8,7; wegen der kleinen Zahl nicht signifikant), und in sp\u00e4teren Jahren 0,6-1,0. Bei oraler Einnahme war das RR bei alleiniger Zufuhr von \u00d6strogen 1,3 (geringe Fallzahl), bei Kombination mit einem Gestagen 3,5. Die Ergebnisse sprechen daf\u00fcr, da\u00df transdermale HRT nicht mit einem wesentlichen Thromboembolie-Risiko assoziiert ist, obwohl Fall-Kontroll-Studien Fehlerquellen beinhalten, die den Untersuchern bekannt und die sie weitgehend auszuschlie\u00dfen bem\u00fcht waren. Die Fehler ergeben sich aber meist aus demographischen Unterschieden zwischen &#8222;cases&#8220; und &#8222;controls&#8220;. Da die &#8222;controls&#8220; jedoch hier f\u00fcr beide HRT-Gruppen sehr \u00e4hnlich waren, d\u00fcrfte der gefundene Unterschied des Thromboembolie-Risikos zwischen oraler und transdermaler HRT recht valide sein. Die Autoren bef\u00fcrworten eine \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Ergebnisse durch eine umfangreiche prospektive Studie. Diese k\u00f6nnte aber an der in Zukunft stark einzuschr\u00e4nkenden Indikation zur HRT scheitern, denn die \u00fcbrigen Risiken der HRT gibt es auch bei transdermaler Anwendung.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Diese sorgf\u00e4ltig durchgef\u00fchrte Fall-Kontroll-Studie best\u00e4tigt ein erh\u00f6htes Thromboembolie-Risiko bei oraler HRT (RR = 3,5), w\u00e4hrend es bei transkutaner HRT nicht erh\u00f6ht ist (RR = 0,9).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Indikation zur Verordnung von \u00d6strogen\/(Gestagen)-Pr\u00e4paraten nach der Menopause (sog. 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