{"id":40528,"date":"2003-10-01T12:04:00","date_gmt":"2003-10-01T10:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2003\/tamoxifen-zur-behandlung-der-physiologischen-und-der-pubertaets-gynaekomastie"},"modified":"2003-10-01T12:04:00","modified_gmt":"2003-10-01T10:04:00","slug":"tamoxifen-zur-behandlung-der-physiologischen-und-der-pubertaets-gynaekomastie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/tamoxifen-zur-behandlung-der-physiologischen-und-der-pubertaets-gynaekomastie\/","title":{"rendered":"Tamoxifen zur Behandlung der &#8222;physiologischen&#8220; und der Pubert\u00e4ts-Gyn\u00e4komastie"},"content":{"rendered":"<p>Eine einseitige oder doppelseitige Gyn\u00e4komastie ist bei jungen Heranwachsenden und M\u00e4nnern ein sehr h\u00e4ufiges Ph\u00e4nomen. Eine gewisse, meist vor\u00fcbergehende Schwellung des Brustdr\u00fcsenk\u00f6rpers kann als &#8222;physiologisch&#8220; betrachtet werden. Insofern ist die Grenze zwischen dem Normalen und dem ausgepr\u00e4gteren Ph\u00e4nomen, das man Gyn\u00e4komastie nennt, flie\u00dfend. Letztere wird offenbar durch ein Ungleichgewicht zwischen den das Brustdr\u00fcsen-Epithel stimulierenden freien (d.h. nicht fest an Protein gebundenen) \u00d6strogenen und dem supprimierenden freien Testosteron bewirkt. Die Gyn\u00e4komastie kann in Form von retromammill\u00e4ren, oft schmerzhaften Knoten und in der mehr fl\u00e4chigen, fettreichen Form auftreten, wobei der Dr\u00fcsenk\u00f6rper aber auch meist vergr\u00f6\u00dfert ist. Da Mamma-Karzinome bei M\u00e4nnern extrem selten sind, ist eine bioptische Abkl\u00e4rung selten erforderlich. Die benigne Gyn\u00e4komastie ist harmlos. Meistens machen die kosmetische St\u00f6rung oder Schmerzen die Behandlung w\u00fcnschenswert oder erforderlich. Viele Patienten mit Gyn\u00e4komastie wurden bisher operiert mit nicht immer befriedigendem kosmetischem Ergebnis.<\/p>\n<p>Im Brit. Med. J. erschien jetzt eine kurze Arbeit von H.N. Khan und R.W. Blamey aus Nottingham, UK, in der eigene Befunde und Ergebnisse anderer Gruppen zur konservativen Therapie der Gyn\u00e4komastie mit dem Anti-\u00d6strogen (oder SERM: selective estrogen receptor modulator) Tamoxifen referiert werden (1). Tamoxifen hat einen festen Platz in der Therapie des Mamma-Karzinoms der Frau. Es hemmt die Wirkung von \u00d6strogenen im Brustdr\u00fcsengewebe, hat aber am Knochen eine pro\u00f6strogene Wirkung. Khan et al. zitieren eine von ihnen publizierte sehr kurze Arbeit, in der \u00fcber die Behandlung von 31 M\u00e4nnern im Alter von 31 (18-64) Jahren, bei denen im Mittel seit 4 (1-20) Monaten eine Gyn\u00e4komastie bestand, mit t\u00e4glich 20 mg Tamoxifen f\u00fcr 6-12 Wochen berichtet wird (2). Alle 21 Patienten mit knotiger und schmerzhafter Gyn\u00e4komastie h\u00e4tten eine deutlich Besserung mit Verkleinerung der Knoten und der Beschwerden gezeigt. Bei 10 Patienten mit fl\u00e4chiger Gyn\u00e4komastie, die h\u00e4ufig auch mit \u00dcbergewicht assoziiert ist, war die Erfolgsrate mit 60% geringer. Es traten keine Nebenwirkungen auf.<\/p>\n<p>M.T. McDermott et al. aus den USA berichteten \u00fcber eine Cross-over-Studie mit Tamoxifen versus Plazebo f\u00fcr jeweils 2-4 Monate bei 6 Armeeangeh\u00f6rigen mit erheblicher knotiger und schmerzhafter Gyn\u00e4komastie (3). Hinsichtlich der Schmerzbesserung war Tamoxifen dem Plazebo eindeutig \u00fcberlegen, ebenso bei der Behandlung von kleineren, dagegen nicht von sehr gro\u00dfen Knoten.<\/p>\n<p>T.T. Alagaratnam aus Hong Kong behandelte 61 chinesische M\u00e4nner mit idiopathischer Gyn\u00e4komastie mit 40 mg Tamoxifen\/d f\u00fcr im Mittel 2 (1-4) Monate (4). Angeblich verschwand die Brustschwellung bei 80% der Behandelten komplett. Eine Nachuntersuchung und Befragung der Patienten nach 36 Monaten ergab keine unerw\u00fcnschten Wirkungen von Tamoxifen.<\/p>\n<p>L.N. Parker et al. f\u00fchrten bei 10 M\u00e4nnern mit Gyn\u00e4komastie (davon 4 mit Schmerzen) eine doppeltblinde Cross-over-Studie mit Plazebo versus 20 mg Tamoxifen\/d f\u00fcr nur einen Monat durch (5). Bei 7 Patienten wurde nach Tamoxifen die Brust kleiner, und alle 4 Patienten mit Schmerzen gaben eine deutliche Besserung an, w\u00e4hrend Plazebo wirkungslos war. Die Autoren halten die Therapie f\u00fcr wirksam, empfehlen aber eine l\u00e4ngere Behandlungsdauer.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Alle diese Studien sind nicht umfangreich und haben keine gro\u00dfe statistische Aussagekraft. Bevor validere Studien vorliegen, kann man ihnen aber entnehmen, da\u00df Tamoxifen bei Gyn\u00e4komastie offenbar wirksam ist. Wegen des sehr g\u00fcnstigen Nebenwirkungsprofils von Tamoxifen bei M\u00e4nnern sollte diese einfache konservative Therapie, auch von Haus\u00e4rzten, jedoch versucht werden, bevor die Patienten zum Chirurgen geschickt werden.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Khan, H.N., und Blamey, R.W.: Brit. Med. J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=12907471&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2003, <b>327<\/b>, 301<\/a>.<\/li>\n<li>Khan, H.N., et al.: Brit. J. Surg. 2003, <b>90<\/b> Suppl.1, 100.<\/li>\n<li>McDermott, M.T., et al.: South Med. J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=2237557&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1990, <b>83<\/b>, 1283<\/a>.<\/li>\n<li>Alagaratnam, T.T.: Clin. Ther. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=3664552&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1987, <b>9<\/b>, 483<\/a>.<\/li>\n<li>Parker, L.N., et al.: Metabolism <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=3526085&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1986, <b>35<\/b>, 705<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine einseitige oder doppelseitige Gyn\u00e4komastie ist bei jungen Heranwachsenden und M\u00e4nnern ein sehr h\u00e4ufiges Ph\u00e4nomen. Eine gewisse, meist vor\u00fcbergehende Schwellung des Brustdr\u00fcsenk\u00f6rpers kann als &#8222;physiologisch&#8220; betrachtet werden. Insofern ist die Grenze zwischen dem Normalen und dem ausgepr\u00e4gteren Ph\u00e4nomen, das man Gyn\u00e4komastie nennt, flie\u00dfend. 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