{"id":40587,"date":"2004-08-01T12:02:00","date_gmt":"2004-08-01T10:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2004\/hypothyreote-frauen-muessen-die-thyroxindosis-waehrend-einer-schwangerschaft-deutlich-erhoehen"},"modified":"2004-08-01T12:02:00","modified_gmt":"2004-08-01T10:02:00","slug":"hypothyreote-frauen-muessen-die-thyroxindosis-waehrend-einer-schwangerschaft-deutlich-erhoehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/hypothyreote-frauen-muessen-die-thyroxindosis-waehrend-einer-schwangerschaft-deutlich-erhoehen\/","title":{"rendered":"Hypothyreote Frauen m\u00fcssen die Thyroxindosis w\u00e4hrend einer Schwangerschaft deutlich erh\u00f6hen"},"content":{"rendered":"<p>In den ersten 13 Schwangerschaftswochen ist der Fetus voll auf die Thyroxin(T4)-Versorgung durch die Mutter angewiesen. Danach produziert die kindliche Schilddr\u00fcse selbst T4. Eine Unterversorgung des Fetusses mit T4 kann zu St\u00f6rungen der Hirnentwicklung, zu verminderter Intelligenz und zu erh\u00f6hter fetaler Letalit\u00e4t f\u00fchren. Bei gesunden Frauen nimmt die T4-Sekretion w\u00e4hrend der Schwangerschaft zu. Frauen mit Hypothyreose wird zwar empfohlen, die T4-Dosis w\u00e4hrend einer Schwangerschaft zu steigern, aber der Zeitpunkt, zu dem dies notwendig ist und der Umfang der Dosiserh\u00f6hung waren bisher nicht gut bekannt.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund untersuchten E.K. Alexander et al. aus Boston (1) bei 19 hypothyreoten Frauen, die eine Schwangerschaft planten, vor sowie in engen Abst\u00e4nden im ersten Trimenon der eingetretenen Schwangerschaft, sp\u00e4ter in monatlichen Abst\u00e4nden, die Serumkonzentrationen von T4, TSH, Estradiol und Choriongonadotropin.<\/p>\n<p>Sechs dieser Frauen waren nach einer Operation wegen eines differenzierten Schilddr\u00fcsenkarzinoms (TSH-suppressiv) mit T4 behandelt. Bei ihnen sollte der TSH-Wert w\u00e4hrend der Schwangerschaft m\u00f6glichst 0,5 mU\/l nicht \u00fcberschreiten. Bei den anderen Frauen (Hashimoto-Thyreoiditis oder Zustand nach Radiojod-Therapie wegen Hyperthyreose oder Knotenstruma) sollte der TSH-Wert nicht h\u00f6her steigen als 5 mE\/l. Wurde ein solcher Anstieg gemessen, dann wurde die T4-Dosis um 25 \u00b5g, sp\u00e4ter um 12,5 \u00b5g bis zur n\u00e4chsten TSH-Kontrolle erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Im ersten Trimenon stieg der so ermittelte T4-Bedarf bereits um ca. 30% an. Ab der 16. Schwangerschaftswoche blieb der T4-Bedarf mit im Mittel 47% \u00fcber der Ausgangsdosis stabil. Bei 85% der Frauen wurde eine Dosiserh\u00f6hung notwendig, bei 15% nicht. Aus dem Verlauf der Kurven f\u00fcr den T4-Bedarf und der Estradiolwerte im Serum schlie\u00dfen die Autoren, da\u00df Estradiol der entscheidende Faktor f\u00fcr den steigenden T4-Bedarf ist. Nur in geringem Umfang werde dies durch die Estradiol-induzierte Steigerung des TBG-Spiegels (Thyroxin-bindendes Globulin) vermittelt.<\/p>\n<p>Die Autoren empfehlen f\u00fcr die Praxis, da\u00df Frauen mit Hypothyreose schriftlich informiert werden sollen, im Fall des Eintritts einer Schwangerschaft die T4-Dosis sofort um ca. 30% zu erh\u00f6hen. Da T4 eine sehr lange Halbwertszeit hat, kann dies einfach dadurch geschehen, da\u00df die Frau im Laufe einer Woche zwei Tagesdosen zus\u00e4tzlich einnimmt. Bald darauf soll sie bei einem Arzt das TSH bestimmen lassen, und zwar mehrmals w\u00e4hrend einer Schwangerschaft. Die T4-Dosis soll dann so gew\u00e4hlt werden, da\u00df der TSH-Wert im Zielbereich bleibt. Bei den 15% der Frauen, deren T4-Bedarf w\u00e4hrend der Schwangerschaft nicht ansteigt, k\u00f6nne die Dosiserh\u00f6hung keinen Schaden anrichten, da durch Abnahme des TSH-Werts die Schilddr\u00fcse die T4-Sekretion drossele.<\/p>\n<p>Diese Empfehlung wird in einem Editorial von A.Toft aus Edinburgh (2) unterst\u00fctzt und den \u00c4rzten dar\u00fcber hinaus geraten, bei allen Frauen, die schwanger werden wollen, eine T4- und TSH-Bestimmung zu erw\u00e4gen, besonders bei Frauen mit Typ-1-Diabetes oder bei solchen mit endokrinen Autoimmunerkrankungen bei Verwandten.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Hypothyreoten Frauen, die schwanger werden wollen, wird bereits mit Best\u00e4tigung der eingetretenen Schwangerschaft eine Erh\u00f6hung der T4-Dosis um ca. 30% empfohlen. Ab dem 2. Trimenon liegt der T4-Bedarf ca. 40-50% \u00fcber der den TSH-Wert normalisierenden T4-Dosis vor Eintritt der Schwangerschaft.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Alexander, E. K., et al.: N. Engl. J. Med. 2004, <b>351<\/b>, 241.<\/li>\n<li>Toft, A.: N. Engl. J. Med. 2004, <b>351<\/b>, 292.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den ersten 13 Schwangerschaftswochen ist der Fetus voll auf die Thyroxin(T4)-Versorgung durch die Mutter angewiesen. Danach produziert die kindliche Schilddr\u00fcse selbst T4. Eine Unterversorgung des Fetusses mit T4 kann zu St\u00f6rungen der Hirnentwicklung, zu verminderter Intelligenz und zu erh\u00f6hter fetaler Letalit\u00e4t f\u00fchren. Bei gesunden Frauen nimmt die T4-Sekretion w\u00e4hrend der Schwangerschaft zu. 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