{"id":40605,"date":"2004-10-01T12:04:00","date_gmt":"2004-10-01T10:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2004\/leserbrief-verlaengerung-der-qt-zeit-als-unerwuenschte-arzneimittelwirkung"},"modified":"2004-10-01T12:04:00","modified_gmt":"2004-10-01T10:04:00","slug":"leserbrief-verlaengerung-der-qt-zeit-als-unerwuenschte-arzneimittelwirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/leserbrief-verlaengerung-der-qt-zeit-als-unerwuenschte-arzneimittelwirkung\/","title":{"rendered":"Leserbrief: Verl\u00e4ngerung der QT-Zeit als unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkung"},"content":{"rendered":"<p>Dr. J.-P. S. aus Berlin schreibt: >> In Ihrer tabellarischen \u00dcbersicht (1) wird Levomethadon (L-Polamidon<sup>\u00ae<\/sup>) erw\u00e4hnt, das Methadon-Razemat hingegen nicht. Meines Wissens beziehen sich die in der Literatur dargestellten F\u00e4lle von Long-QT-Syndrom bzw. Torsaden immer auf die Anwendung von Methadon-Razemat. Es w\u00e4re interessant zu kl\u00e4ren, ob auch unter L-Polamidon \u00e4hnliche Ph\u00e4nomene beobachtet werden. Denkbar ist, da\u00df die h\u00f6here zu metabolisierende Substanzmenge das Risiko f\u00fcr kardiale UAW vergr\u00f6\u00dfert und somit im Dosisbereich > 60 mg das fertige Arzneimittel L-Polamidon einen Vorteil gegen\u00fcber dem Razemat haben k\u00f6nnte. <<<\/p>\n<p>Dr. S.S.-L. aus Ravensburg schreibt: >> In der speziellen Schmerztherapie sind Antidepressiva und Neuroleptika ein wesentlicher Bestandteil der Langzeitmedikation. Ist ein EKG vor Therapiebeginn zu fordern, wenn ein Patient infolge eines Infekts ein Makrolid-Antibiotikum erhalten soll? Was bedeutet in diesem Zusammenhang Steady-state-Bedinungen? In welchem zeitlichen Abstand sollte ein EKG erfolgen? Welche Aussagen erwarten Sie von solchen Einzelma\u00dfnahmen, wenn EKG im f\u00fcnfstelligen Bereich notwendig sind, um Aussagen \u00fcber die Effizienz dieser Ma\u00dfnahme zu erhalten? Die Empfehlungen am Ende Ihres Artikels halte ich f\u00fcr sehr schwammig und wenig hilfreich. Als niedergelassener An\u00e4sthesist \u00fcberpr\u00fcfe ich t\u00e4glich mindestens 10-12 EKG und Medikamentenkombinationen. Bei der gro\u00dfen Anzahl repolarisationsverl\u00e4ngernder Substanzen erscheinen mir Ihre Empfehlungen nicht praxisnah. Ich vermisse ein klares Konzept. <<<\/p>\n<p><b>Antwort <\/b>(zu Dr. J.-P.S.)<b>:<\/b> >> In der Fachinformation f\u00fcr L-Polamidon<sup>\u00ae<\/sup> sind QT-Verl\u00e4ngerungen und daraus resultierende Rhythmusst\u00f6rungen tats\u00e4chlich als m\u00f6gliche Komplikation benannt, die EKG vor der Therapie und nach zwei Behandlungswochen erfordern. Dieser Warnhinweis wird in Analogie zu Beobachtungen bei Behandlung mit Methadon-Razemat gegeben. Weder in der Datenbank der Arzneimittelkommission der deutschen \u00c4rzteschaft (Juli 2004), noch bei der Herstellerfirma (August 2004) oder an anderer Stelle in der Literatur findet sich unseres Wissens ein Fall, bei dem die Opiat-Substitutionstherapie mit Levomethadon bedrohliche Rhythmusst\u00f6rungen ausgel\u00f6st hat. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df Levomethadon ganz \u00fcberwiegend in Deutschland und auch hier nur bei h\u00f6chstens 20% zur Substitution verwandt wird (2). Man kann sich vorstellen, da\u00df wegen des scheinbar g\u00fcnstigeren UAW-Spektrums die Verordnungsh\u00e4ufigkeit in Zukunft zunimmt. Hoffentlich wird diese Entwicklung von einer sorgf\u00e4ltigen Beobachtung der UAW begleitet, speziell QT-Verl\u00e4ngerungen und Rhythmusst\u00f6rungen, z.B. in Pharmakovigilanzregistern der Spezialsprechstunden oder anderen Erhebungen; sie w\u00fcrden sicher gro\u00dfe Beachtung finden. Auch bei den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden sollten die UAW unter Substitution mit Levomethadon gesondert registriert werden.<\/p>\n<p>Das von Dr. S.S.-L. gew\u00e4hlte Beispiel ist in der Praxis h\u00e4ufig. Ein Makrolid wird zusammen mit einem Medikament gegeben, das die QT-Zeit verl\u00e4ngert (z.B. Antihistaminikum, Antidepressivum), ohne zu bedenken, da\u00df dies gef\u00e4hrlich sein kann. Anekdotische Berichte \u00fcber lebensbedrohliche Rhythmusst\u00f6rungen, die durch solche vermeidbare Ko-Medikationen zu Stande kommen, sind h\u00e4ufiger als es die Meldeziffern in den Pharmakovigilanzdateien vermuten lassen. In unserer \u00dcbersicht hei\u00dft es daher sehr deutlich: \u201eDie Gabe mehrerer repolarisierender Medikamente (gleichzeitig) ist zu vermeiden!\u201d Auch die Forderung, vor und bei Einsatz QT-Zeit verl\u00e4ngernder Medikamente ein EKG zu schreiben, ist nicht schwammig, sondern klar. Sie zielt darauf, da\u00df die reale und sicher untersch\u00e4tzte Gefahr dieser Pharmakotherapie ins Bewu\u00dftsein gehoben wird, die gef\u00e4hrdenden Medikamente und Kombinationen m\u00f6glichst vermieden werden und bei den Kontroll-EKG auf die Verl\u00e4ngerung der QT-Zeit geachtet wird.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich erschien im N. Engl. J. Med. eine Untersuchung zur Frage, ob bei Behandlung mit Erythromycin das Risiko eines Pl\u00f6tzlichen Herztods gesteigert ist (3). Aus der Datei einer gro\u00dfen Krankenversicherung in Tennessee konnte entnommen werden, welche Patienten wie lange Erythromycin oder ein anderes Zytochrom-P3A-blockierendes Medikament eingenommen hatten und bei welchen Patienten ein Pl\u00f6tzlicher Herztod eingetreten war. Es zeigte sich, da\u00df bei Einnahme von Erythromycin der Pl\u00f6tzliche Herztod doppelt so h\u00e4ufig war wie bei Patienten, die kein Erythromycin eingenommen hatten. Wurde gleichzeitig ein anderer CYP3A-Hemmer eingenommen, war der Pl\u00f6tzliche Herztod sogar f\u00fcnfmal h\u00e4ufiger. Auf Einzelheiten der komplizierten, aber \u00fcberzeugenden pharmakoepidemiologischen Untersuchung k\u00f6nnen wir hier nicht eingehen. Die Zahlen belegen aber quantitativ das kardiale Risiko, das bei Behandlung mit einem QT-Zeit-verl\u00e4ngernden Medikament entsteht, vor allem, wenn es gleichzeitig mit einem Medikament gegeben wird, das dessen Abbau hemmt.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen dar\u00fcber nachdenken, wie riskante Arzneimittel-Kombinationen vermieden werden k\u00f6nnen. Vielleicht sind elektronische Verordnungshilfen im Krankenhaus (z.B. Informationssysteme) oder die geplante Patienten-Chip-Karte in der ambulanten Versorgung dabei hilfreich. <<<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>AMB 2004, <b>38<\/b>, 49 und 56.<\/li>\n<li>INDRO, M\u00fcnster, pers\u00f6nliche Mitteilung.<\/li>\n<li>Ray, W.A., et al.: N. Engl. J. Med. 2004, <b>351<\/b>, 1089.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. J.-P. S. aus Berlin schreibt: >> In Ihrer tabellarischen \u00dcbersicht (1) wird Levomethadon (L-Polamidon\u00ae) erw\u00e4hnt, das Methadon-Razemat hingegen nicht. Meines Wissens beziehen sich die in der Literatur dargestellten F\u00e4lle von Long-QT-Syndrom bzw. Torsaden immer auf die Anwendung von Methadon-Razemat. Es w\u00e4re interessant zu kl\u00e4ren, ob auch unter L-Polamidon \u00e4hnliche Ph\u00e4nomene beobachtet werden. 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