{"id":40610,"date":"2004-11-01T12:04:00","date_gmt":"2004-11-01T11:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2004\/oral-verabreichte-oestradiol-ester-zur-hormon-ersatz-therapie-scheinen-das-risiko-fuer-thromboembolien-im-gegensatz-zu-konjugierten-stutenharn-oestrogenen-nicht-zu-erhoehen"},"modified":"2004-11-01T12:04:00","modified_gmt":"2004-11-01T11:04:00","slug":"oral-verabreichte-oestradiol-ester-zur-hormon-ersatz-therapie-scheinen-das-risiko-fuer-thromboembolien-im-gegensatz-zu-konjugierten-stutenharn-oestrogenen-nicht-zu-erhoehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/oral-verabreichte-oestradiol-ester-zur-hormon-ersatz-therapie-scheinen-das-risiko-fuer-thromboembolien-im-gegensatz-zu-konjugierten-stutenharn-oestrogenen-nicht-zu-erhoehen\/","title":{"rendered":"Oral verabreichte \u00d6stradiol-Ester zur Hormon-Ersatz-Therapie scheinen das Risiko f\u00fcr Thromboembolien im Gegensatz zu konjugierten Stutenharn-\u00d6strogenen nicht zu erh\u00f6hen."},"content":{"rendered":"<p>Im JAMA erschien jetzt die erste Fall-Kontroll-Studie, in der das Risiko f\u00fcr Thromboembolien bei peri- bzw. postmenopausaler Einnahme von \u00d6stradiol-Estern (EE) mit dem bei Einnahme konjugierter equiner \u00d6strogene (CEE) verglichen wurde (1). N.L. Smith et al. berichten \u00fcber tiefe Beinvenenthrombosen mit oder ohne Lungenembolie zwischen 1995 und 2001 im Bereich einer gro\u00dfen medizinischen \u201eProvider\u201d-Organisation (Group Health Cooperative = GHC) im Staat Washington, USA. Die Modalit\u00e4ten der Hormonersatz-Therapie (HRT) von 586 peri-\/postmenopausalen Frauen im Alter von 30-89 Jahren mit tiefer Venenthrombose allein (426) oder mit Lungenembolie (160, davon 33 t\u00f6dlich) wurden mit denen von 2268 <i>Kontrollen<\/i> verglichen, die nach Alter und Gewicht mit diesen <i>F\u00e4llen<\/i> gleich waren. Jedoch hatten die F\u00e4lle deutlich h\u00e4ufiger eine Karzinomanamnese oder waren vor Diagnose der Thrombose station\u00e4r behandelt worden. Im Jahr 1999 hatten die Apotheken der GHC aus nicht n\u00e4her erkl\u00e4rten Gr\u00fcnden die Routine-Formulierung der HRT-\u00d6strogene von EE auf CEE umgestellt. CEE enthalten 10 verschiedene \u00f6strogene Substanzen (haupts\u00e4chlich \u00d6stronsulfat und Equilinsulfat), w\u00e4hrend EE in erster Linie \u00d6stronsulfat und etwas Equilinsulfat enthalten soll. In Deutschland kommt, wenn \u00d6stradiol verordnet wird, meist \u00d6stradiol-Valerat oder mikronisiertes \u00d6stradiol zum Einsatz.<\/p>\n<p>F\u00fcr HRT bei den F\u00e4llen bzw. Kontrollen wurden folgende Relative Risiken f\u00fcr Thromboembolien errechnet: Frauen, die EE einnahmen, hatten kein erh\u00f6htes Risiko: RR 0,92 (Konfidenzintervall = CI: 0,69-1,22). Nahmen sie CEE mit oder ohne Gestagen (Medroxyprogesteron-Acetat = MPA) ein, war das Risiko signifikant erh\u00f6ht: RR: 1,65 (CI: 1,24-2,19). Nahmen sie CEE allein ein, war das RR, wie auch in der WHI-Studie (2), geringer (RR: 1,31) als bei zus\u00e4tzlicher Einnahme von MPA (RR: 2,17). Bei Einnahme von EE plus MPA war das Risiko nur geringf\u00fcgig und nicht signifikant h\u00f6her als mit EE allein. Die Dosierungen von EE und CEE wurden in drei Stufen geordnet (f\u00fcr beide niedrig: 0,3 mg\/d; m\u00e4\u00dfig: 0,625 mg\/d; hoch: im Mittel 1,67 mg\/d f\u00fcr EE und 1,16 mg\/d f\u00fcr CEE). Bei CEE nahm das RR mit steigender Dosis von 1,21 bis 3,8 zu, bei EE war es dosisunabh\u00e4ngig. In Abweichung von den meisten anderen Studien, in denen die Beziehung zwischen HRT und Thrombosen untersucht wurden, waren Thrombosen hier im ersten Jahr der Einnahme nicht h\u00e4ufiger als in den Folgejahren.<\/p>\n<p>Diese Ergebnisse sind bemerkenswert, weil hier zum ersten Mal bei einer gr\u00f6\u00dferen Zahl von F\u00e4llen und Kontrollen die Thromboserisiken von CEE mit einem anderen oralen \u00d6strogenpr\u00e4parat verglichen wurden. Im vorigen Jahr haben wir \u00fcber eine Fall-Kontroll-Studie aus Frankreich berichtet, in der transdermales \u00d6stradiol, anders als orale \u00d6strogene, nicht mit einem erh\u00f6hten Thromboembolie-Risiko assoziiert war (3). Beides sind keine prospektiven plazebokontrollierten Studien, so da\u00df weiterhin Vorsicht angebracht ist.<\/p>\n<p>Mit diesen Fakten im Ged\u00e4chtnis kann aufgrund der jetzigen Datenlage vermutet werden, da\u00df niedrig-dosiertes transdermales \u00d6stradiol (das nicht wie orale \u00d6stradiol-Pr\u00e4parate die Leber in hoher Konzentration passiert) sowie orale \u00d6stradiolester ein g\u00fcnstigeres RR-Profil im Hinblick auf Thrombosen haben als CEE, und da\u00df die Kombination von CEE mit MPA das h\u00f6chste RR zur Folge hat mit einem zus\u00e4tzlichen Risiko bei hoher CEE-Dosis. Ob es Gestagene gibt, die in Kombination mit \u00d6strogenen das RR weniger erh\u00f6hen als MPA, ist nicht bekannt und mu\u00df untersucht werden.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Verestertes \u00d6stron (in dieser Form in Deutschland wohl nicht im Handel) in Pr\u00e4paraten zur Hormonersatz-Therapie scheint mit einem geringeren Thromboembolie-Risiko assoziiert zu sein als konjugierte Stutenharn-\u00d6strogene, besonders, wenn diese zusammen mit Medroxyprogesteron-Acetat eingenommen werden.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Smith, N.L.: JAMA <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=15467060&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2004, <b>292<\/b>, 1581<\/a>.<\/li>\n<li>Anderson, G.L., et al. for the <b>W<\/b>omen\u2019s <b>H<\/b>ealth <b>I<\/b>nitiative Steering Committee (WHI): JAMA <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=15082697&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2004, <b>291<\/b>, 1701<\/a>; s.a. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6389\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2004, <b>38<\/b>, 37<\/a>.<\/li>\n<li>Scarabin, P.Y., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=12927428&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2003, <b>362<\/b>, 428<\/a>; s.a. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6332\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2003, <b>37<\/b>, 77a<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im JAMA erschien jetzt die erste Fall-Kontroll-Studie, in der das Risiko f\u00fcr Thromboembolien bei peri- bzw. postmenopausaler Einnahme von \u00d6stradiol-Estern (EE) mit dem bei Einnahme konjugierter equiner \u00d6strogene (CEE) verglichen wurde (1). 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