{"id":40617,"date":"2004-10-01T12:07:00","date_gmt":"2004-10-01T10:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2004\/coxibe-europaeisches-bewertungsverfahren-abgeschlossen-mit-anordnung-aktualisierter-informationen-zu-gastrointestinalen-kardiovaskulaeren-und-dermalen-nebenwirkungen"},"modified":"2004-10-01T12:07:00","modified_gmt":"2004-10-01T10:07:00","slug":"coxibe-europaeisches-bewertungsverfahren-abgeschlossen-mit-anordnung-aktualisierter-informationen-zu-gastrointestinalen-kardiovaskulaeren-und-dermalen-nebenwirkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/coxibe-europaeisches-bewertungsverfahren-abgeschlossen-mit-anordnung-aktualisierter-informationen-zu-gastrointestinalen-kardiovaskulaeren-und-dermalen-nebenwirkungen\/","title":{"rendered":"Coxibe: Europ\u00e4isches Bewertungsverfahren abgeschlossen mit Anordnung aktualisierter Informationen zu gastrointestinalen, kardiovaskul\u00e4ren und dermalen Nebenwirkungen"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer Entscheidung der Europ\u00e4ischen Kommission vom 30. April 2004 wurde ein Risikobewertungsverfahren abgeschlossen, in das die nachfolgend aufgef\u00fchrten in der EU verf\u00fcgbaren Coxibe &#8211; Rofecoxib, Celecoxib, Etoricoxib, Valdecoxib und Parecoxib &#8211; eingeschlossen waren. Vor allem zu den gastrointestinalen und kardiovaskul\u00e4ren Risiken der Coxibe wurden die Angaben in allen relevanten Abschnitten der Produktinformationen aktualisiert und weitgehend vereinheitlicht. Das Nutzen\/Risiko-Verh\u00e4ltnis der Coxibe wurde weiterhin als positiv bewertet.<\/p>\n<p>Die Coxibe sind mit der Annahme entwickelt worden, die H\u00e4ufigkeit und Schwere der bekannten gastrointestinalen Nebenwirkungen konventioneller NSAIDs vor allem bei der Behandlung chronischer rheumatischer Erkrankungen senken zu k\u00f6nnen. Die COX-2-Selektivit\u00e4t kann bei der Behandlung chronischer rheumatischer Erkrankungen von Vorteil sein, weil eine COX-1-Hemmung, die bei den herk\u00f6mmlichen, nicht-COX-2-selektiven NSAID als eine Ursache gastrointestinaler Sch\u00e4digungen und Komplikationen angesehen wird, nur gering ausgepr\u00e4gt ist oder fehlt.<\/p>\n<p>Klinische und epidemiologische Studien, deren Ergebnisse nach der Zulassung von Rofecoxib oder Celecoxib ver\u00f6ffentlicht wurden, sowie Einzelfallberichte zu den Coxiben haben den Verdacht aufkommen lassen, da\u00df der gastrointestinale Sicherheitsvorteil der Coxibe geringer ist als zun\u00e4chst angenommen und da\u00df zus\u00e4tzlich ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr kardiovaskul\u00e4re Nebenwirkungen, einschlie\u00dflich Herzinfarkten und Schlaganf\u00e4llen, besteht. Au\u00dferdem wurden Einzelf\u00e4lle von schweren Hautreaktionen bekannt. Wegen der inzwischen hohen Anwendungsh\u00e4ufigkeit der Coxibe, des Schweregrads der m\u00f6glichen gastrointestinalen und kardiovaskul\u00e4ren Sch\u00e4digungen und Komplikationen und der daraus resultierenden Bedeutung f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit bestand ein hohes Interesse an einer umfassenden Neubewertung von Nutzen und Risiken aller Coxibe-haltigen Arzneimittel (zu unserer klinischen Einsch\u00e4tzung s.a. 1-5). Diese wurde in den letzten zwei Jahren unter Federf\u00fchrung des Bundesinstituts f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf europ\u00e4ischer Ebene in Kooperation mit allen damaligen EU-Mitgliedstaaten vorgenommen.<\/p>\n<p>In die Bewertung wurden die verf\u00fcgbaren Daten aus pr\u00e4klinischen Untersuchungen mit allen genannten Coxiben und Ergebnisse aus ver\u00f6ffentlichten und unver\u00f6ffentlichten klinischen oder epidemiologischen Studien einbezogen, welche vor allem f\u00fcr Rofecoxib und Celecoxib vorliegen. Einzelfallberichte aus den bestehenden Spontanmeldesystemen ergaben f\u00fcr die zugelassenen Coxibe zus\u00e4tzliche Informationen zu Schweregrad und Risikofaktoren gastrointestinaler und kardiovaskul\u00e4rer Nebenwirkungen sowie zu den schweren Hautreaktionen. Die wissenschaftliche Neubewertung fand ihren Abschlu\u00df in einem Gutachten des Arzneispezialit\u00e4tenausschusses (CPMP) der Europ\u00e4ischen Arzneimittelbeh\u00f6rde (EMEA), das dieser im November 2003 als Empfehlung an die Europ\u00e4ische Kommission abgegeben hat.<\/p>\n<p>\u00b7 Die Anwendung aller Coxibe ist mit einem f\u00fcr die Mehrzahl der Coxibe dosisabh\u00e4ngigen Risiko f\u00fcr das Auftreten von gastrointestinalen Nebenwirkungen, einschlie\u00dflich solcher mit schwerem, auch t\u00f6dlichem Verlauf verbunden. Das relative Risiko hierf\u00fcr ist niedriger als bei Anwendung einiger herk\u00f6mmlicher NSAID. Die Risikounterschiede fallen bei einem Vergleich mit NSAID mit bekannt hohem Potenzial f\u00fcr gastrointestinale Komplikationen (z.B. Naproxen) deutlich und zu Gunsten der Coxibe aus. Im Vergleich mit anderen NSAID (z.B. Diclofenac, Ibuprofen) sind sie jedoch geringer ausgepr\u00e4gt bzw. ist das Risiko f\u00fcr schwere gastrointestinale Sch\u00e4digungen (Perforationen, Ulzera, Blutungen) vergleichbar. Patienten mit Risikofaktoren f\u00fcr das Auftreten gastrointestinaler Komplikationen (z.B. h\u00f6heres Lebensalter, fr\u00fchere gastrointestinale Sch\u00e4digung) sind mehr gef\u00e4hrdet, und die Anwendung von Coxiben sollte, wie die von konventionellen NSAID, bei diesen Patienten mit Vorsicht erfolgen. Dies gilt auch f\u00fcr Patienten, die Azetylsalizyls\u00e4ure (ASS) in niedriger Dosis zur Herzinfarktprophylaxe oder die sonst zus\u00e4tzlich konventionelle NSAID anwenden.<\/p>\n<p>\u00b7 Die Ergebnisse aus klinischen Studien haben erkennen lassen, da\u00df die Anwendung von einigen Coxiben im Vergleich zu konventionellen NSAID (Rofecoxib oder Etoricoxib vs. Naproxen bzw. tendenziell Celecoxib vs. Naproxen oder Diclofenac) mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr das Auftreten von Herzinfarkten verbunden sein kann. Das Risiko f\u00fcr eine Blutdruckerh\u00f6hung scheint dem der konventionellen NSAID zu entsprechen. Deshalb ist bei der Anwendung selektiver COX-2-Hemmer, insbesondere bei Patienten mit isch\u00e4mischer Herzkrankheit in der Vorgeschichte, Vorsicht geboten. Eine Verschlechterung der spezifischen klinischen Symptome bei solchen Patienten kann entsprechende Ma\u00dfnahmen oder ein Absetzen der Behandlung mit Coxiben erforderlich machen.<\/p>\n<p>\u00b7 Sehr selten treten bei Anwendung der Coxibe schwere Hautreaktionen auf (toxische epidermale Nekrolyse, Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema exsudativum multiforme). Nach Anwendung aller Coxibe wurden schwere \u00dcberempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Anaphylaxie, Angio\u00f6dem) beobachtet. Da Celecoxib, Valdecoxib und Parecoxib in ihrem Molek\u00fcl eine Sulfonamidstruktur aufweisen, sind Patienten mit Sulfonamidallergie einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr \u00dcberempfindlichkeitsreaktionen ausgesetzt.<\/p>\n<p>Das BfArM macht auf die Ergebnisse der Nutzen\/Risiko-Bewertung f\u00fcr die Coxibe und die daraus resultierenden neuen Produktinformationen aufmerksam. Es ist wichtig, da\u00df die Fachkreise die Hinweise bei der Verordnung oder Abgabe von Coxiben ber\u00fccksichtigen. Obwohl mit der Umsetzung der nunmehr abgeschlossenen Neubewertung ein aktueller Kenntnisstand in den Zulassungen der einbezogenen Arzneimittel abgebildet ist, ist die Beurteilung des Stellenwertes der Coxibe in der Behandlung chronischer rheumatischer Erkrankungen bzw. von Schmerzzust\u00e4nden weiterhin nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>Das BfArM und die Arzneimittelkommission der deutschen \u00c4rzteschaft bitten nach wie vor um Berichte \u00fcber Verdachtsf\u00e4lle unerw\u00fcnschter Wirkungen, vor allem \u00fcber solche am Gastrointestinaltrakt, im Herz-Kreislauf-System, an der Niere und an der Haut. Dabei sind Schweregrad und Risikofaktoren, die im Einzelfall bestanden haben, von besonderem Interesse und sollten so gut wie m\u00f6glich dokumentiert werden. Warenzeichen: Celecoxib = Celebrex<sup>\u00ae<\/sup>; Etoricoxib = Arcoxia<sup>\u00ae<\/sup>; Parecoxib = Dynastat<sup>\u00ae<\/sup>; Rofecoxib = Vioxx<sup>\u00ae<\/sup>; Valdecoxib = Bextra<sup>\u00ae<\/sup>.<\/p>\n<p><b>Anmerkung der Redaktion:<\/b> Diese beh\u00f6rdliche Risikoanalyse ist kurz <i>vor<\/i> der Marktr\u00fccknahme von Rofecoxib ver\u00f6ffentlicht worden. Sie beh\u00e4lt trotzdem ihre Bedeutung, denn sie kommt zu dem Schlu\u00df, da\u00df das Profil der UAW bei allen Coxiben \u00e4hnlich ist. Wenn eine Substanz aus dem Handel gezogen wird, weil sie wegen UAW aufgefallen ist, darf sie nach unserer Meinung nicht vorbehaltlos durch eine andere, weniger lang erprobte aus der selben Gruppe ersetzt werden, wie jetzt von MSD Sharp &#038; Dohme angek\u00fcndigt. Nicht oberfl\u00e4chliche Hysterie bez\u00fcglich einer Substanz ist angezeigt, sondern tiefgreifende Skepsis gegen\u00fcber allen Coxiben.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5768\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2000, <b>34<\/b>, 73<\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5635\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2001, <b>35<\/b>, 38a<\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6167\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2002, <b>36<\/b>, 41<\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6237\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2003, <b>37<\/b>, 1.<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6420\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2004, <b>38<\/b>, 62<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer Entscheidung der Europ\u00e4ischen Kommission vom 30. 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