{"id":40642,"date":"2005-02-01T12:02:00","date_gmt":"2005-02-01T11:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2005\/cochrane-review-erythropoietin-bei-patienten-mit-maligner-erkrankung"},"modified":"2005-02-01T12:02:00","modified_gmt":"2005-02-01T11:02:00","slug":"cochrane-review-erythropoietin-bei-patienten-mit-maligner-erkrankung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/cochrane-review-erythropoietin-bei-patienten-mit-maligner-erkrankung\/","title":{"rendered":"Cochrane-Review: Erythropoietin bei Patienten mit maligner Erkrankung"},"content":{"rendered":"<p>Wir hatten im Jahre 2002 ausf\u00fchrlich \u00fcber eine Meta-Analyse zur Wirksamkeit der Behandlung der Tumor-assoziierten An\u00e4mie mit rekombinantem Erythropoietin (rhEPO) informiert (1). Diese Meta-Analyse ber\u00fccksichtigte ausschlie\u00dflich die bis 1999 publizierten, randomisierten, kontrollierten klinischen Studien (n = 22), in denen insgesamt 1927 Patienten mit Epoetin alfa (Erypo<sup>\u00ae<\/sup>) oder Epoetin beta (NeoRecormon<sup>\u00ae<\/sup>) behandelt worden waren. Im Jahre 2004 ist ein Cochrane-Review erschienen, der diese Meta-Analyse erg\u00e4nzt und 27 randomisierte, kontrollierte klinische Studien mit insgesamt 3287 erwachsenen Patienten ausgewertet hat (2). Ziel dieser systematischen \u00dcbersicht war es, die Wirksamkeit von rhEPO hinsichtlich prim\u00e4rer (h\u00e4matologisches Ansprechen, Transfusionsh\u00e4ufigkeit, Gesamt\u00fcberleben) und sekund\u00e4rer Zielparameter (Tumoransprechen, \u201eLebensqualit\u00e4t\u201d) sowie die unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkungen (UAW) zu untersuchen. Alle ausgewerteten Studien verglichen eine Behandlung mit Epoetin alfa bzw. Epoetin beta plus, falls erforderlich, zus\u00e4tzliche Transfusion(en) von Erythrozytenkonzentraten mit einer alleinigen Transfusion von Erythrozytenkonzentraten. Diese aktuelle Cochrane-\u00dcbersicht best\u00e4tigt die Ergebnisse der fr\u00fcheren Meta-Analyse und verdeutlicht ebenfalls gravierende M\u00e4ngel im Design sowie in der Analyse und Interpretation der Ergebnisse der klinischen Studien. Die in den Jahren 1985-2001 publizierten randomisierten, kontrollierten klinischen Studien ergeben ausreichende Evidenz daf\u00fcr, dass durch eine Behandlung mit Epoetin alfa bzw. beta bei Patienten mit Tumorerkrankungen und einem Hb-Wert < 10 g\/dl zu Beginn der Studie ein signifikant besseres h\u00e4matologisches Ansprechen als durch Plazebo erreicht werden kann. Das h\u00e4matologische Ansprechen wurde in den meisten Studien definiert als transfusionsunabh\u00e4ngiger Anstieg des Hb-Werts \u2265 2 g\/dl. Gleichzeitig konnte in diesen Studien gezeigt werden, dass durch Epoetin alfa bzw. beta der Transfusionsbedarf durchschnittlich um ein Erythrozytenkonzentrat im Studienzeitraum (in den meisten Studien 12-24 Wochen) reduziert werden kann. \u00dcberzeugende Evidenz, dass Epoetin alfa bzw. beta das Gesamt\u00fcberleben von Tumorpatienten verl\u00e4ngert, die Ansprechraten des Tumors auf die Chemotherapie verbessert und\/oder die \u201eLebensqualit\u00e4t\u201d einschlie\u00dflich der sogenannten Fatigue-Symptomatik g\u00fcnstig beeinflusst, ergab sich auch in der Cochrane-Auswertung nicht. Sowohl thromboembolische Komplikationen als auch arterielle Hypertonie traten in den randomisierten klinischen Studien mit Angaben zu diesen UAW h\u00e4ufiger bei den mit Epoetin alfa bzw. beta behandelten Patienten auf (statistisch nicht signifikant). Diese UAW m\u00fcssen deshalb, ebenso wie die bisher fast ausschlie\u00dflich bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz aufgetretene \u201ePure red-cell aplasia\u201d, sorgf\u00e4ltig in zuk\u00fcnftigen Studien analysiert werden.<\/p>\n<p>Die bisher vorliegenden Meta-Analysen basieren ausschlie\u00dflich auf klinischen Studien zur Behandlung der Tumor-assoziierten An\u00e4mie mit Epoetin alfa bzw. beta. Inzwischen ist in Deutschland mit Darbepoetin alfa (Aranesp<sup>\u00ae<\/sup>) ein Erythropoietin-Analog zugelassen, das im Vergleich zu Epoetin alfa bzw. beta mehr Stickstoff-gebundene Kohlehydrat-Seitenketten (5 vs. 3), mehr Sialins\u00e4ure-Reste und eine andere Aminos\u00e4urensequenz hat. Diese biochemischen Ver\u00e4nderungen beeinflussen in erster Linie die Pharmakokinetik (l\u00e4ngere Serumhalbwertszeit), nicht jedoch den Wirkungsmechanismus (Stimulation der Erythropoese nach Bindung an den Erythropoietin-Rezeptor). Bisher liegen nur sehr wenige randomisierte klinische Studien bei Patienten mit Tumor-assoziierter An\u00e4mie unter Chemotherapie vor, in denen die Wirksamkeit bzw. Sicherheit der Epoetine mit Darbepoetin alfa verglichen wurden (3, 4). Eindeutige Hinweise f\u00fcr Unterschiede in der klinischen Wirksamkeit oder im Auftreten von UAW ergaben sich in diesen Studien nicht.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> In einem aktuellen Cochrane-Review konnten Ergebnisse fr\u00fcherer Meta-Analysen best\u00e4tigt werden, dass eine Behandlung der Tumor-assoziierten An\u00e4mie mit Epoetin alfa oder Epoetin beta gegen\u00fcber Plazebo das h\u00e4matologische Ansprechen verbessert und den Transfusionsbedarf reduziert. Eindeutige Hinweise auf ein besseres Tumoransprechen, eine Verl\u00e4ngerung des Gesamt\u00fcberlebens und eine Besserung der \u201eLebensqualit\u00e4t\u201d ergaben sich jedoch in dieser Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien nicht. Die Ergebnisse der wenigen bisher durchgef\u00fchrten vergleichenden klinischen Studien sprechen nicht daf\u00fcr, dass sich Darbepoetin alfa bei Tumor-assozierter An\u00e4mie in Wirksamkeit oder Sicherheitsprofil gegen\u00fcber Epoetin alfa bzw. Epoetin beta signifikant unterscheidet.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>AMB 2002, <b>26<\/b>, 25.<\/li>\n<li>Bohlius, J., et al.: Cochrane Database Syst. Rev. 2004, <b>3<\/b>, CD003407.<\/li>\n<li>Schwartzberg, L.S., et al.: The Oncologist 2004, <b>9<\/b>, 696.<\/li>\n<li>Waltzman, R., et al.: Blood 2004, <b>104<\/b>, 4233a.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir hatten im Jahre 2002 ausf\u00fchrlich \u00fcber eine Meta-Analyse zur Wirksamkeit der Behandlung der Tumor-assoziierten An\u00e4mie mit rekombinantem Erythropoietin (rhEPO) informiert (1). 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