{"id":4177,"date":"2018-04-12T10:30:46","date_gmt":"2018-04-12T10:30:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/?p=4177"},"modified":"2018-04-12T10:41:01","modified_gmt":"2018-04-12T10:41:01","slug":"metaanalyse-zu-antidepressiva-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/metaanalyse-zu-antidepressiva-2\/","title":{"rendered":"Metaanalyse zu Antidepressiva"},"content":{"rendered":"<p>Die gr\u00f6\u00dfte bisher durchgef\u00fchrte Metaanalyse zur Wirksamkeit und Vertr\u00e4glichkeit von Antidepressiva wurde im Februar im Lancet ver\u00f6ffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass Antidepressiva bei mittelschweren und schweren Episoden einer unipolaren Depression durchweg wirksamer sind als eine Behandlung mit Plazebo, bei vergleichbarer Vertr\u00e4glichkeit. Diese Studie wurde auch von den Laienmedien sehr stark wahrgenommen, daher lohnt sich ein genauerer Blick.<\/p>\n<p>Es handelt sich um eine Netzwerk-Metaanalyse, in der Studien mit 21 h\u00e4ufig verordneten Antidepressiva indirekt und direkt miteinander verglichen wurden. Eingeschlossen wurden 522 doppelblinde, randomisierte, kontrollierte Studien aus den Jahren 1979-2016. Es wurden nur Studien ber\u00fccksichtigt, in denen ein orales Antidepressivum in \u00fcblicher Dosierung zur Erstlinien-Therapie einer unipolaren mittelschweren oder schwereren depressiven Episode bei Erwachsenen getestet wurde. Die Metaanalyse wurde mit \u00f6ffentlichen Geldern finanziert und nur 4 der 18 Autoren geben Interessenkonflikte mit der Pharmaindustrie an.<\/p>\n<p><strong>Verzerrungen<\/strong> &#8211; Beinahe jede f\u00fcnfte der eingeschlossenen Studien war nicht ordentlich publiziert und bei mehr als der H\u00e4lfte mussten relevante Ergebnisse von den Autoren oder den Firmen beschafft werden. 78% der Studien wurden vom Hersteller des getesteten Antidepressivums bezahlt. Das Risiko f\u00fcr einen relevanten Bias, also eine Ergebnisverzerrung durch strukturelle M\u00e4ngel innerhalb der Studie, wurde bei 46 Studien (9%) als hoch und bei 380 (73%) als moderat eingesch\u00e4tzt. Nur bei 96 Studien (18%) wurde die Methodik als unkritisch bewertet. Hauptkritikpunkte waren Unklarheiten bei der Randomisierung und der Gruppenzuteilung, eine unsichere Verblindung von Patienten und der Nachuntersucher, ein Abweichen vom Studienprotokoll sowie das vorzeitige Ausscheiden von Patienten aus der. Aufgrund dieser vielf\u00e4ltigen Verzerrungen sch\u00e4tzen die Autoren der Metaanalyse die Beweiskraft ihrer Ergebnisse als begrenzt ein.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Ergebnisse<\/strong> &#8211; Prim\u00e4re Endpunkte waren die \u201eWirksamkeit\u201c der Behandlung nach 8 Wochen. Diese war als Symptomreduktion um mindestens 50% auf einer standardisierten Depressionsskala (z.B. Hamilton-Skala) definiert. Der zweite prim\u00e4re Endpunkt war die \u201eAkzeptanz\u201c der Behandlung. Diese war \u00fcber die Therapie-Abbruchraten in jeder Studie definiert, unabh\u00e4ngig von den Gr\u00fcnden. Im Hinblick auf die Wirksamkeit waren alle getesteten Antidepressiva der Behandlung mit Plazebo um mindestens 37% (Reboxetin) bis maximal 113% (Amitryptilin) \u00fcberlegen. Interessanterweise waren keine speziellen Klasseneffekte bei den Wirkstoffen erkennbar, was gewisse Zweifel an den postulierten Wirkmechanismen weckt. Die Akzeptanz der Therapie variiert sehr stark zwischen den einzelnen Wirkstoffen, liegt aber im Mittel im Bereich von Plazebo. Allerdings lagen die angegebenen Therapie-Abbruchraten wegen Nebenwirkungen deutlich \u00fcber denen von Plazebo (zwischen 64-344%).<\/p>\n<p><strong>Bewertung<\/strong> &#8211; Die grunds\u00e4tzlich positive Einsch\u00e4tzung dieser Substanzen bei mittelschweren und schweren Depressionen darf man nicht auf mildere Formen der Depression, eine Langzeitbehandlung, auf eine Zweitlinientherapie bei Non-Respondern, auf Kinder und Jugendliche und andere Formen von Depressionen \u00fcbertragen. Gerade bei leichteren Depressionen sind Antidepressiva sehr wahrscheinlich nicht wirksamer als Plazebo und die Nutzen\/Risiko-Relation d\u00fcrfte eher ung\u00fcnstig sein. Ein Ranking von guten und schlechten Antidepressiva l\u00e4sst sich aus diesen Daten sicher nicht ableiten.<\/p>\n<p><a>(gek\u00fcrzt aus Der Arzneimittelbrief M\u00e4rz 2018)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gr\u00f6\u00dfte bisher durchgef\u00fchrte Metaanalyse zur Wirksamkeit und Vertr\u00e4glichkeit von Antidepressiva wurde im Februar im Lancet ver\u00f6ffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass Antidepressiva bei mittelschweren und schweren Episoden einer unipolaren Depression durchweg wirksamer sind als eine Behandlung mit Plazebo, bei vergleichbarer Vertr\u00e4glichkeit. 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