{"id":518,"date":"1998-05-01T12:04:00","date_gmt":"1998-05-01T10:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/interferon-alfa-2b-mit-und-ohne-ribavirin-zur-therapie-der-chronischen-hepatitis-c"},"modified":"1998-05-01T12:04:00","modified_gmt":"1998-05-01T10:04:00","slug":"interferon-alfa-2b-mit-und-ohne-ribavirin-zur-therapie-der-chronischen-hepatitis-c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/interferon-alfa-2b-mit-und-ohne-ribavirin-zur-therapie-der-chronischen-hepatitis-c\/","title":{"rendered":"Interferon alfa-2b mit und ohne Ribavirin zur Therapie der chronischen Hepatitis C"},"content":{"rendered":"<p>Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) f\u00fchrt bei ca. 80% der Patienten zu einem chronischen Verlauf. Langzeitfolgen sind Leberzirrhose und hepatozellul\u00e4res Karzinom. In Deutschland sind wahrscheinlich 500000 Menschen mit dem Virus infiziert. Die HCV-lnfektion geh\u00f6rt damit zu den h\u00e4ufigsten Lebererkrankungen. Die einzige bisher etablierte Therapie zur Heilung der chronischen HCV-lnfektion ist die Therapie mit Interferon alfa. Als Standard wird eine s.c. Therapie mit 3mal 5 Mio. l.E.\/Woche Interferon alfa-2b (Intron A) bzw. 3mal 6 Mio. l.E.\/Woche Interferon alfa-2a (Roferon-A) \u00fcber drei Monate sowie anschlie\u00dfend neun Monate lang mit 3mal 3 Mio. l.E.\/Woche empfohlen (Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten = DGVS: Z. Gastroenterologie <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9490556&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>35<\/B>, 971<\/a>). Dadurch kann bei bis zu 50% der Patienten eine Elimination des Virus und eine Normalisierung der Transaminasen w\u00e4hrend der Therapiephase erreicht werden. Jedoch ist nur bei 10 bis 20% der Patienten eine anhaltende Elimination (l\u00e4nger als 6 Monate \u00fcber die Therapie hinaus = &#8222;Sustained Response&#8220;) nachzuweisen. Vor diesem Hintergrund werden die Wirkungen von Nukleosidanaloga, z.B. Ribavirin, in Kombination mit Interferon alfa gepr\u00fcft. Rabavirin hemmt direkt die Replikation des Virus. In den meisten Studien wurde diese Kombination bei Patienten eingesetzt, die auf eine Therapie mit Interferon alfa allein nicht angesprochen hatten oder bei denen nach passagerer Elimination des Virus ein Rezidiv aufgetreten war. In einer schwedischen, plazebokontrollierten, doppeltblinden Studie wurde k\u00fcrzlich eine kombinierte Behandlung von Interferon alfa-2b (3mal 3 Mio. l.E.\/Woche, 6 Monate lang) plus Ribavirin (1000 bzw. 1200 mg\/d: Gruppe 1) gegen Interferon alfa-2b plus Plazebo (Gruppe 2) bei bisher nicht vorbehandelten Patienten mit chronischer HCV-lnfektion untersucht (Reichard, O., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9439491&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>351<\/B>, 83<\/a>). In die Studie wurden insgesamt 100 Patienten aufgenommen und nach Randomisierung sechs Monate lang behandelt. Die Nachbeobachtung nach Ende der Therapie betrug ebenfalls sechs Monate.<\/p>\n<p>Am Ende der Behandlungsphase bestand kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich der Viruselimination (jeweils 52%). Am Ende der Nachbeobachtungsphase (6 Monate sp\u00e4ter) war der Anteil der Patienten mit einer &#8222;Sustained Response&#8220; (HCV-RNA negativ nach 6 und 12 Monaten) in Gruppe 1 signifikant h\u00f6her als in Gruppe 2 (36% vs. 18%). Zus\u00e4tzlich wurde bei vier weiteren Patienten eine sehr niedrige HCV-RNA-Konzentration nach sechs Monaten gefunden und keine me\u00dfbare mehr nach zw\u00f6lf Monaten. Die Autoren werten dies ebenfalls als Therapiewirkung, so da\u00df sich insgesamt in der Interferon-alfa-2b\/Ribavirin-Gruppe ein Therapieerfolg von 42% und der Interferon-alfa-2b\/Plazebo-Gruppe von 20% ergab. In Gruppe 1 traten signifikant mehr Nebenwirkungen auf, so da\u00df die Dosis reduziert oder die Therapie beendet werden mu\u00dfte (16\/50 vs. 6\/50). Am h\u00e4ufigsten waren \u00dcbelkeit, Schwindel, Depressionen, Leukopenien (< 1500\/\u00b5l) und An\u00e4mien (Hb < 10 g\/dl).\n\n<B>Fazit:<\/B> Diese Studie zeigt, da\u00df eine Kombinationstherapie mit Interferon alfa-2b\/Ribavirin bei nicht vorbehandelten Patienten mit chronischer HCV-lnfektion in einem h\u00f6heren Prozentsatz zu einer l\u00e4nger anhaltenden Viruselimination f\u00fchrt. Dies trifft vor allem auf Patienten zu, die zu Beginn der Therapie eine hohe Viruskonzentration haben. Aus diesen Daten und aus anderen Studien kann der Schlu\u00df gezogen werden, da\u00df eine Monotherapie mit Interferon alfa bei bislang unbehandelten Patienten und g\u00fcnstigen pr\u00e4diktiven Parametern (niedrige Viruskonzentration, keine Leberzirrhose, kurzes Intervall zwischen Infektion und Beginn der Therapie) indiziert ist. Bei ung\u00fcnstigeren Voraussetzungen (z.B. Rezidiv) kann eine kombinierte Behandlung erwogen werden, die allerdings in kontrollierten Studien durchgef\u00fchrt werden sollte. In solchen Studien mu\u00df versucht werden, pr\u00e4diktive Parameter f\u00fcr das Ansprechen zu finden, damit ein Stufenschema erarbeitet werden kann. Bis dahin &#8211; nicht zuletzt wegen der erheblichen Nebenwirkungen der Nukleosidanaloga &#8211; sollte au\u00dferhalb von Studien nach den Richtlinien der DGVS behandelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) f\u00fchrt bei ca. 80% der Patienten zu einem chronischen Verlauf. Langzeitfolgen sind Leberzirrhose und hepatozellul\u00e4res Karzinom. In Deutschland sind wahrscheinlich 500000 Menschen mit dem Virus infiziert. Die HCV-lnfektion geh\u00f6rt damit zu den h\u00e4ufigsten Lebererkrankungen. 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