{"id":5246,"date":"2021-01-16T15:15:25","date_gmt":"2021-01-16T15:15:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/?p=5246"},"modified":"2021-01-16T15:16:52","modified_gmt":"2021-01-16T15:16:52","slug":"der-54-jahrgang-des-arzneimittelbriefs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/der-54-jahrgang-des-arzneimittelbriefs\/","title":{"rendered":"Der 54. Jahrgang des ARZNEIMITTELBRIEFs"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Jahreswechsel schauen wir auf 2020 zur\u00fcck und auf 2021 voraus. Das Jahr 2020 war au\u00dfergew\u00f6hnlich, auch f\u00fcr den ARZNEIMITTELBRIEF, und dominiert von der SARS-CoV-2-Pandemie. Von unseren insgesamt 82\u00a0Artikeln besch\u00e4ftigten sich 12, vier davon als Hauptartikel, mit diesem Virus, den Symptomen der Erkrankung und ihrer Behandlung. Der Wissenszuwachs war rasant, oft lagen bei Drucklegung einer Ausgabe bereits neue Informationen vor, die, falls bekannt, zu einem Umschreiben der Artikel h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen. Das wird wahrscheinlich auch in diesem Jahr so sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\nViele\ndieser Informationen erschienen auf Preprint-Servern, manchmal nur\nals Pressemitteilung und sehr h\u00e4ufig ohne \u201epeer review\u201c. Diese\nungefilterten Informationen waren mitunter fehlerhaft und vieles\nwurde fehl- und \u00fcberinterpretiert. So f\u00fchrten anf\u00e4ngliche\n\u00dcberlegungen zu einem m\u00f6glichen h\u00f6heren Infektions- und\nErkrankungsrisiko durch ACE-Hemmer, AT-II-Rezeptor-Blocker und\nIbuprofen zu einer starken Verunsicherung und wahrscheinlich zu\nungerechtfertigtem Absetzen dieser Arzneimittel. Auch die\nNotfallzulassung von Chloroquin und Hydroxychloroquin in den USA\nbasierte auf vorl\u00e4ufigen Daten und f\u00fchrte auch hierzulande dazu,\ndass diese Wirkstoffe vor\u00fcbergehend nicht lieferbar waren. Im Mai\nhaben wir daher gefordert, dass wissenschaftliche\nStandards in klinischen Studien nicht dem Zeitdruck geopfert werden\nd\u00fcrfen. Diese Forderung haben wir in unserem ersten Artikel zu den\ngenetischen Impfstoffen im November erneuert. Der Druck auf die\nEurop\u00e4ische Arzneimittel-Agentur (EMA) war und ist gro\u00df. Der\nARZNEIMITTELBRIEF und die Bev\u00f6lkerung erwarten jedoch zu Recht, dass\njetzt und sp\u00e4ter alle Daten \u2013 trotz politischem Druck \u2013 sorgsam\ngepr\u00fcft und dabei neben der Wirksamkeit auch Fragen zur Sicherheit\nder Impfstoffe nicht vernachl\u00e4ssigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Leser(innen) haben unsere mahnenden Forderungen an die Entwicklung und Pr\u00fcfung neuer Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 als Generalkritik an diesen neuartigen Impfstoffen empfunden. Dieser Eindruck ist falsch, denn aufmerksame Leser(innen) des ARZNEIMTTELBRIEFs wissen, dass wir uns stets f\u00fcr gut begr\u00fcndete Impfungen und gegen irrationale Bewertungen sowie Kampagnen einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben COVID-19 gab es im zur\u00fcckliegenden Jahr noch weitere wichtige Themen. So haben wir im September die Frage bearbeitet, ob die Ergebnisse gro\u00dfer internationaler Arzneimittelstudien ohne weiteres auf Patienten in Mitteleuropa \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Die vielf\u00e4ltigen Unterschiede zwischen den Ethnien und Gesundheitssystemen k\u00f6nnen bei den jeweils untersuchten Endpunkten zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen f\u00fchren und nicht ohne weiteres herausgerechnet werden. Die Autoren und Gutachter solcher Studien sollten k\u00fcnftig mehr auf regionale Effekte bzw. Verzerrungen achten. Kompetente Analysen zu diesem Thema wurden uns \u00fcbrigens unaufgefordert von einem unserer Leser vorgelegt und von uns redaktionell bearbeitet. Von solchen Initiativen und Diskussionen profitieren wir. Sehr gerne nehmen wir auch in 2021 Anregungen aus unserer Leserschaft auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere\nHauptartikel kamen aus der Augenheilkunde (Intravitreale Therapie der\nneovaskul\u00e4ren altersabh\u00e4ngigen Makuladegeneration mit\nVEGF-Inhibitoren), der Hausarztmedizin (Prim\u00e4re Behandlung\nchronischer Schlafst\u00f6rungen bei Erwachsenen: Verhaltenstherapie\nversus Schlafmittel), der Psychiatrie (Antidepressiva und\nAntipsychotika: Auswirkungen auf K\u00f6rpergewicht und Metabolismus) und\nder H\u00e4matologie (Ibrutinib: neue Ergebnisse zu kardiovaskul\u00e4ren\nNebenwirkungen unter &#8222;Real-World&#8220;-Bedingungen). Drei\nHauptartikel befassten sich mit kardiologischen Themen. Besonders\nerw\u00e4hnenswert ist der Bericht \u00fcber die ISCHEMIA-Studie im Juli. In\ndiese gro\u00dfe randomisierte Studie (initial invasive Strategie vs.\ninitial konservative Strategie) wurden \u00fcber 5.000&nbsp;Patienten mit\n<em>stabiler<\/em>\nkoronarer Herzkrankheit und gr\u00f6\u00dferem myokardialem Isch\u00e4mieareal\neingeschlossen. Es konnte nachgewiesen werden, dass eine prim\u00e4r\nkonservative und abwartende Behandlungsstrategie einem invasiven\nVorgehen ebenb\u00fcrtig ist. Es wird also zuk\u00fcnftig schwerer, die\nbesonders in Deutschland hohen Zahlen intrakoronarer Eingriffe\ninhaltlich zu rechtfertigen. Der Herausgeber des European Heart\nJournal, Thomas L\u00fcscher, r\u00e4umte im Schweizer Fernsehen systemische\nFehlanreize in der Kardiologie ein. Die \u00dcberversorgung mit\nHerzkatheteruntersuchungen lie\u00dfe sich \u201enur politisch \u00e4ndern, wenn\ndie Verrechnung nach Qualit\u00e4t und nicht mehr nach Quantit\u00e4t\nerfolgen w\u00fcrde.\u201c Diesem Vorschlag schlie\u00dfen wir uns an. Dies\nsollte jedoch f\u00fcr die gesamte klinische Medizin gelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das\nvor uns liegende Jahr wird aus der Sicht einer rationalen\nArzneimitteltherapie und der Bereitstellung unabh\u00e4ngiger,\nevidenzbasierter Informationen bzw. Empfehlungen sehr bedeutsam. Die\nImpfung vieler Millionen Gesunder mit unterschiedlichen\nSARS-CoV-2-Impfstoffen wird vermutlich dazu f\u00fchren, dass wir h\u00e4ufig\n\u00fcber tats\u00e4chliche, \u00fcbertriebene und gef\u00e4lschte Berichte zu\nImpfnebenwirkungen lesen werden. Manche werden weiterhin versuchen,\nmit diesen Desinformationen die Verunsicherung und \u00c4ngste in unseren\nfreien und pluralistischen Gesellschaften zu sch\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es\nist uns ein wichtiges Anliegen, durch Artikel \u00fcber aktuelle neue\nErgebnisse zu den Impfstoffen die kommende Impfkampagne kritisch zu\nbegleiten und ggf. zu kommentieren. Sie muss gut \u00fcberwacht und mit\naufkommenden Problemen transparent umgegangen werden. Unsere Aufgabe\nsehen wir darin, Berichte \u00fcber Nutzen und Risiken einer solch\numf\u00e4nglichen Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahme differenziert zu bewerten. DER\nARZNEIMITTELBRIEF macht dies seit mehr als 50&nbsp;Jahren aus der\nSicht klinisch t\u00e4tiger \u00c4rztinnen und \u00c4rzte letztlich im Interesse\neiner rationalen Behandlung von Patienten. Wir sp\u00fcren die\nVerantwortung, die aus Ihrem Vertrauen in unsere Unabh\u00e4ngigkeit und\nUrteilskraft erw\u00e4chst, und wollen dieser wechselseitigen Beziehung\nauch 2021 gerecht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Jahreswechsel schauen wir auf 2020 zur\u00fcck und auf 2021 voraus. Das Jahr 2020 war au\u00dfergew\u00f6hnlich, auch f\u00fcr den ARZNEIMITTELBRIEF, und dominiert von der SARS-CoV-2-Pandemie. 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