{"id":639,"date":"2004-06-01T12:03:00","date_gmt":"2004-06-01T10:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2004\/leitlinien-der-british-hypertension-society-bhs-zur-hochdrucktherapie-plausibel-und-praxisnah"},"modified":"2004-06-01T12:03:00","modified_gmt":"2004-06-01T10:03:00","slug":"leitlinien-der-british-hypertension-society-bhs-zur-hochdrucktherapie-plausibel-und-praxisnah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/leitlinien-der-british-hypertension-society-bhs-zur-hochdrucktherapie-plausibel-und-praxisnah\/","title":{"rendered":"Leitlinien der British Hypertension Society (BHS) zur Hochdrucktherapie: Plausibel und praxisnah"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben in letzter Zeit h\u00e4ufig zur Praxis der Hypertonie-Therapie Stellung genommen (z.B. 1-3). Die neuen Leitlinien der BHS (Kurzfassung s. 4) sind Anla\u00df, nochmals einige wichtige Empfehlungen, die sich nur unwesentlich von denen der Europ\u00e4ischen und der US-Gesellschaften unterscheiden, zusammenzufassen.<\/p>\n<p>Alle Menschen mit Grenzwert- oder mit etablierter Hypertonie sollten sich durch \u00c4nderung der Lebensweise (nicht rauchen, Nahrungsumstellung, mehr k\u00f6rperliche Bewegung) bem\u00fchen, den Blutdruck zu senken.<\/p>\n<p>Bei etablierter Hypertonie sind durch geeignete diagnostische Ma\u00dfnahmen sekund\u00e4re Hypertonieformen (hormonale Kontrazeptiva, renale bzw. endokrine Erkrankungen, Aortenisthmus-Stenose etc.) auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Bei allen Patienten mit essentieller Hypertonie und durchschnittlichen Blutdruckwerten > 160\/> 100 mm Hg ist eine medikament\u00f6se Therapie sicher indiziert. Bei Werten von 140-150\/90-99 mm Hg ist eine medikament\u00f6se Therapie dann indiziert, wenn bereits Zielorgan-Sch\u00e4den vorliegen oder wenn die Wahrscheinlichkeit der Ausbildung solcher Sch\u00e4den in den n\u00e4chsten 10 Jahren > 20% ist (Cholesterin, Rauchen, Familienanamnese etc.). Alle Diabetiker mit Blutdruckwerten > 140\/> 90 mm Hg sollten medikament\u00f6s behandelt werden mit dem Blutdruck-Zielbereich < 130\/< 80 mm Hg.<\/p>\n<p>Azetylsalizyls\u00e4ure (75 mg\/d) sollten alle Hypertoniker zur Sekund\u00e4rprophylaxe der KHK einnehmen sowie Patienten > 50 Jahre mit (hohem) KHK-Risiko > 20% in den n\u00e4chsten 10 Jahren zur Prim\u00e4rprophylaxe.<\/p>\n<p>Statine sollten alle Hypertoniker mit kardiovaskul\u00e4ren Erkrankungen (CVD) erhalten und zwar unabh\u00e4ngig vom Cholesterinwert. Dies wird auch empfohlen f\u00fcr alle Hypertoniker mit einem CVD-Risiko > 20% in den n\u00e4chsten 10 Jahren zur Prim\u00e4rprophylaxe.<\/p>\n<p>Zur Auswahl der Antihypertensiva: F\u00fcr die Wahl bestimmter Medikamentengruppen in Abh\u00e4ngigkeit von Zweiterkrankungen nennt und begr\u00fcndet eine Tabelle zwingende und relative Indikationen und Kontraindikationen (z.B. besondere Indikation f\u00fcr ACE-Hemmer oder Diuretika bei Herzinsuffizienz, f\u00fcr Alpha-Blocker bei BPH, Kontraindikation f\u00fcr Thiaziddiuretika bei Gicht).<\/p>\n<p>Prinzipiell k\u00f6nne aufgrund der in letzter Zeit publizierten Metaanalysen davon ausgegangen werden, da\u00df alle Medikamentengruppen (au\u00dfer Alpha-Blocker) bei gleicher Blutdrucksenkung hinsichtlich Verhinderung von Komplikationen, wie Schlaganfall und Herzinsuffizienz, gleich oder \u00e4hnlich wirksam sind. Niedrig dosierte Medikamenten-Kombinationen sind besser wirksam und weniger UAW-belastet als hoch dosierte Monotherapien.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Auswahl des ersten Medikaments in Abh\u00e4ngigkeit vom Alter des Patienten wird ein einpr\u00e4gsames, durch mehrere Studien gut begr\u00fcndetes, AB\/CD-Schema empfohlen. Hierbei bedeutet A = ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, B = Betablocker, C = Kalziumantagonist und D = Diuretikum. A und B wirken st\u00e4rker blutdrucksenkend bei j\u00fcngeren Hypertonikern mit relativ aktivem Renin-Angiotensin-System. C und D wirken besser bei Patienten > 50 Jahre mit relativ niedrigem Plasma-Renin. Statistisch gesehen ist das Plasma-Renin altersabh\u00e4ngig. Bei j\u00fcngeren Patienten soll also zun\u00e4chst mit A oder B begonnen werden, bei \u00e4lteren mit C oder D, wobei aus Kostengr\u00fcnden dem Diuretikum der Vorzug gegeben wird. Wenn die Monotherapie in mittlerer empfohlener Dosierung nicht ausreicht (fr\u00fchestens nach vier Wochen zu entscheiden), dann soll f\u00fcr j\u00fcngere Patienten ein Kombinationspartner aus der Gruppe C oder D, f\u00fcr \u00e4ltere Patienten aus der Gruppe A oder B genommen werden.<\/p>\n<p>Vermutlich wegen vermehrter subjektiver UAW von B verglichen mit A, wird A ein kleiner Vorzug vor B gegeben. Bei Kombination von C mit D (was auch m\u00f6glich ist) soll das Diabetes-Risiko beachtet werden. Auf das Hyperglyk\u00e4mie-Risiko bei Gabe von D (Thiazide) allein wird auch hingewiesen, jedoch ist es bei Verwendung niedriger Dosen gering.<\/p>\n<p>Schritt 1 der medikament\u00f6sen Therapie ist also eine Monotherapie, Schritt 2 ist A (oder B) plus C oder D, Schritt 3 ist A (oder B) plus C plus D. F\u00fcr Schritt 4 wird die Hinzugabe von Spironolacton oder eines Alpha-Blockers empfohlen.<\/p>\n<p>Obwohl Diuretika in diesen Empfehlungen eine wichtige Rolle spielen, werden sie nicht so sehr in den Vordergrund gestellt wie in den durch die ALLHAT-Studie beeinflu\u00dften Richtlinien in den USA (5). Wir sind der Meinung, da\u00df ein niedrigdosiertes Diuretikum in der Regel bereits Bestandteil bei einer Zweierkombination sein sollte.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Unter Ber\u00fccksichtigung besonders sinnvoller Indikationen und von Kontraindikationen sind alle antihypertensiv wirkenden Medikamentengruppen bei gleichem blutdrucksenkendem Effekt cum grano salis gleichwertig. Das von der BHS vorgeschlagene AB\/CD-Schema zur Mono- und Kombinationstherapie der essentiellen Hypertonie in Abh\u00e4ngigkeit vom Lebensalter ist gut begr\u00fcndet und einpr\u00e4gsam. In Anbetracht der H\u00e4ufigkeit und der gesundheitlichen Bedeutung der arteriellen Hypertonie sowie der jahrelang notwendigen Behandlung sind die Kosten besonders zu beachten.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6049\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1999, <b>33<\/b>, 28a<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6074\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">53a<\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6275\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2001, <b>35<\/b>, 31a<\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6296\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2003, <b>37<\/b>, 15; 43<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6305\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">51<\/a>.<\/li>\n<li>Williams, B., et al.: Brit. Med. J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=15016698&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2004, <b>328<\/b>, 634<\/a>.<\/li>\n<li>Spurgeon, D.: Brit. Med. J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=15001483&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2004, <b>328<\/b>, 539<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben in letzter Zeit h\u00e4ufig zur Praxis der Hypertonie-Therapie Stellung genommen (z.B. 1-3). Die neuen Leitlinien der BHS (Kurzfassung s. 4) sind Anla\u00df, nochmals einige wichtige Empfehlungen, die sich nur unwesentlich von denen der Europ\u00e4ischen und der US-Gesellschaften unterscheiden, zusammenzufassen. 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